Apollo 11 (Doku, USA 2019)

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis Harastos – bekennender Apollo-Fan – das Besondere an dieser Dokumentation bemerkte: Es gibt keine Off-Stimme, die das, was man sieht, erklärt oder kommentiert. Der Film zur Mission Apollo 11, die am 16. Juli 1969 von Cape Kennedy in Florida zur ersten bemannten Mondlandung aufbrach, besteht ausschließlich aus zeitgenössischem Bild- und Tonmaterial, darunter auch neues, bisher nie gesehenes Filmmaterial aus den (Un-)Tiefen des NASA-Archivs.

Todd Douglas Miller sichtete mit seinem Team Hunderte Stunden von Film-, Video- und TV-Aufnahmen, rund 11.000 Stunden Audio-Aufnahmen sowie Tausende von Standbildern und schnitt daraus einen 90-minütigen Kinofilm, der in Form einer Live-Reportage die drei Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins auf ihrem Weg zum Mond und wieder zurück begleitet.

Der Film beginnt – sehr eindrucksvoll – mit dem Transport der riesigen Mondrakete Saturn V vom VAB (dem Montagegebäude) zur Startrampe; die Rakete steht dabei senkrecht auf dem Crawler, dem (bis heute) größten Landtransportfahrzeug der Welt: Er misst 40 mal 35 Meter und wiegt über 2700 Tonnen (fast so viel wie die vollgetankte Rakete); die Höchstgeschwindigkeit beträgt 3,5 km/h, der Verbrauch liegt bei knapp 300 Liter Diesel pro Kilometer.

Das Kennedy Space Center mit VAB und Saturn V

Die folgenden 35 Minuten haben nur eine Hauptdarstellerin, um die sich alles dreht: die Saturn V. Zunächst gibt der Countdown den Rhythmus vor: Techniker checken noch die Systeme der Rakete durch; die Astronauten werden ihrerseits noch ein letztes Mal durchgecheckt, mit einem Fahrzeug zur Startrampe gebracht, wo sie dann mit dem Lift 100 Meter bis nach oben an die Raketenspitze zu ihrem Raumschiff fahren; schließlich werden sie im CM festgeschnallt. Die Zuschauer am Kap, teilweise schon Tage vorher mit der ganzen Familie angereist, bereiten sich jeder auf seine Art auf den großen Moment der Zündung vor. Auch im Pressezentrum beherrscht die meisten Reporter aus aller Welt der Gedanke an den historischen Moment der ersten Mission zu einem anderen Himmelskörper.

Nach 24 Filmminuten ist es so weit. Der Countdown geht in die letzten, explizit angesagten Sekunden. Er beginnt bei 12 – dann 11109 – und danach scheiden sich für gewöhnlich die Geister, die verstanden oder nicht verstanden haben, wie der Countdown einer Saturn V abläuft. Apollo 11 hat es verstanden. Nach der 9 folgt der (immer) vollständig ausgesprochene Satz Ignition Sequence starts – die Triebwerke zünden. Und das tun sie. Und wie sie es tun! Neun Sekunden feuern sie bis zum Liftoff, dem Abheben der Rakete (das bei Null erfolgt). Die fünf Triebwerke der ersten Stufe brauchen genau diese neun Sekunden, um den Schub aufzubauen, der nötig ist, um die knapp 3000 Tonnen, die die Rakete mit der gesamten Nutzlast wiegt, gegen die Erdschwerkraft zu starten.

Nach dem Ignition Sequence starts folgt im Film ein harter Schnitt: Völlige Stille; dann hebt sich in Superzeitlupe die Rakete in die Höhe. Das Bild bleibt zunächst auf die Triebwerke fokussiert, öffnet sich und zeigt die erste Stufe, dann die gesamte Rakete, die inmitten eines Flammen- und Rauchmeers weiter steigt. Man hört den Satz We have a ignition. Das Bild öffnet sich weiter: Von schräg unten sieht man der Rakete zu, wie sie zunächst den Tower passiert, dann weiter in den Himmel Richtung Mond fliegt.

In noch keinem Film zuvor – es sei zugestanden – hat Harastos einen erhabeneren Raketenstart gesehen.

Durch das Fehlen von Kommentaren oder so genannter Talking Heads, erlebt man sich als Zuschauer (und -hörer) mitten in einer Live-Reportage aus dem Sommer 1969 … Und auch bei den weiteren Etappen der Mission hält der Film diese Als-wär-man-(aktuell-)mitten-drin-anstatt-nur-(später-)dabei-Perspektive durch: beim Einschuss in die Mondbahn, bei der Landung auf dem Mond, dem Ausstieg auf die Mondoberfläche, bei der EVA, dem Wiederaufstieg, dem Reentry, der Wasserung im Pazifik.

Steigert sich schon die erste halbe Stunde zu einem wahren Hymnus auf die Maschine – das heißt: auf die Maschine, nämlich die Saturn V –, erweitert das der Film im Folgenden zu einem Hymnus auf den Heldenmut der Astronauten, die Ausführenden, und der Techniker, die ihnen das erst ermöglichen, kurzum: auf den menschlichen Forschergeist (auch die menschliche Abenteuerlust), auf das, was möglich ist, wenn man sich nur dazu entschließt.

Apollo 11 konzentriert sich auf das Beste im Menschen, auf das, was aus ihm hätte werden können, wenn er sich nicht – im Gefolge der 60er – selbst kasteit und kastriert hätte, indem er sich aus der wirklich großen Raumfahrt verabschiedete, um sich auf den (vermeintlich) billigeren Erdorbit zu beschränken. Ja, das Apollo-Programm war teuer und hatte keinen unmittelbaren Nutzen (aber mittelbar machte Apollo zum Beispiel die IT-Branche erst zu dem, was sie bis heute ist). Und der zeitgleich stattfindende Vietnamkrieg kostete (mindestens) das Vierzigfache und hatte weder einen unmittelbaren noch einen mittelbaren Nutzen …

Fazit: Ein Hohelied in Bildern und Tönen auf die menschliche Größe.

Star Trek: Picard – Finale (10. Episode)

Auch wenn es (natürlich) so kommt, wie Harastos (und andere) es vorhergesagt haben – nämlich, dass Soji zu den Organischen „überläuft“ –, ist das Staffelende von Star Trek: Picard dennoch kein plattes; was nicht nur daran liegt, dass es quasi zwei Enden gibt: eines, das den Haupt-Plot der Serie abschließt, und eines, das einem schon vor langer Zeit gestorbenen Hauptcharakter der Next Generation den längst überfälligen würdevollen Abschied zuteilwerden lässt.

Die ersten zwei Drittel der Episode stehen im Zeichen des Haupt-Plots:

Soji ist dabei, eine Verbindung zur Allianz aufzubauen. Picards Leute versuchen, das zu verhindern, scheitern damit aber. Dann stellt Picard eine Verbindung zu Soji her und bietet ihr etwas an, von dem er hofft, dass es ihre Meinung ändert. „Und was“, fragt Soji zurück, „soll das sein?“ Darauf Picard: „Mein Leben! Picard Ende.“

Soji kennt die Geschichte Datas, der sein Leben für Picard geopfert hat (Star Trek: Nemesis). Doch zunächst, obgleich man sieht, dass sie sehr wohl beeindruckt ist, arbeitet sie weiter an der Herstellung des Kontakts zur Allianz. Aber Picard hat nicht „nur“ einfach sein Leben angeboten – er hat damit Grenzen eingerissen: Er stellt damit Datas Leben – das eines Androiden – auf die gleiche Stufe wie das seine – das eines Menschen.

Mittlerweile ist die romulanische sowie die terranische Flotte eingetroffen; sie stehen sich im Orbit gegenüber. Als wäre das nicht schon schlimm genug, treffen auch die ersten Boten der Allianz ein (in einem von Soji aktivierten Wurmloch, Barke genannt).

Es folgt der Höhepunkt der Staffel, sozusagen das, was Star Trek (speziell TNG) ausmacht und immer ausgemacht hat. Picard will noch einmal über einen „offenen Kanal“ mit Soji sprechen, da er dazu aber gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, lässt er sich mit einem Medikament fit spritzen, einem Medikament, das, so Picard, „das Unvermeidliche (er meint den Tod) nur beschleunigt“.

Picard – kurz vor seiner Rede an Soji

Er wendet sich noch einmal direkt an Soji, appelliert an das Menschliche in ihr: „Soji, bitte deaktivieren Sie die Barke und beweisen Sie den Romulanern, wie sehr die sich in Ihnen täuschen.“ Der Oberbefehlshaber der romulanischen Flotte hört aufmerksam zu, desgleichen der „amtierende Captain“ der terranischen Flotte, William Riker. „Sie sind“, so Picard weiter, „weder der Feind noch die Zerstörerin. Wenn die Romulaner das nicht überzeugt, bekommen sie es mit der Föderation zu tun.“ Er versichert ihr, dass die Föderation darauf vertraut, dass sie die richtige Entscheidung trifft. „Ich vertraue darauf, Soji. Ich kenne Sie. Ich glaube an Sie. Aus diesem Grund habe ich Ihr Leben gerettet, damit Sie jetzt im Gegenzug unseres retten können.“ Man sieht, wie Riker zu grinsen beginnt; er kennt schließlich Picard, den überzeugenden „Prediger“ des Humanen. Und Picard hat Erfolg: Soji deaktiviert die Barke, und mehr noch: Die Romulaner deaktivieren ihre Waffen.

Doch nach dem Abzug der Flotten – sowie einem kurzen Geplänkel zwischen Picard und Riker – kollabiert Picard, und wenig später stirbt er in den Armen Raffis.

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Im letzten Drittel der Episode (die fast eine Stunde dauert) geht es um den Tod: den aktuellen Picards und den lange zurückliegenden Tod Datas.

Nach einigen Szenen der Trauerarbeit – (fast) jede Hauptfigur der Serie bekommt Gelegenheit, Picards Tod zu verarbeiten – folgt ein (unerwarteter) Schnitt:

Quantensimulationen …

Wir sehen Picard (den Lebenden); er sitzt auf einer Art Couch und erkundet den Raum, in dem er sich befindet. Als er zur Überzeugung kommt, dass es nur „noch so ein verfluchter Traum“ sei, erscheint Data. „Nein, Captain“, sagt er, „es handelt sich um eine extrem komplexe Quanten-Simulation. Allerdings“, kommt er Picard entgegen, „stelle ich mir vor, dass dies von Ihrem Standpunkt aus nicht allzu weit von einem Traum entfernt sein dürfte.“

Nach seinem Tod wurde Datas Bewusstsein in eine künstliche Matrix transferiert, wo es seither sein Dasein fristet. Und das für alle Ewigkeit, denn ein so konservierter Geist ist unsterblich. Um Tod versus Unsterblichkeit dreht sich denn auch das folgende Gespräch zwischen Data und Picard. Picard erfährt, fast nebenbei, dass er sich mit Data zwar in einer Simulation befindet, er selbst aber keine ist. „Bevor Ihre Gehirnfunktionen versagten“, erläutert Data, „konnten Dr. Soong und Jurati mit der Hilfe von Soji ein vollständiges, komplett identisches Abbild Ihres neuronalen Substrates erzeugen und übertragen.“

Bevor Picard in die Wirklichkeit zurückkehrt, äußert Data einen Wunsch, den Picard zu erfüllen verspricht.

Auferstehung: Als Picard im Realen zu sich kommt, lautet seine erste Frage. „Bin ich echt?“ Soji versichert, dass dem so sei. Das allerdings stimmt nicht ganz, denn nur der Geist Picards, seine Erinnerungen, sein Wissen und so weiter sind „echt“. Der Körper jedoch ist künstlich hergestellt, das Gehirn eine positronische Matrix. In der zweiten Staffel – die bereits in Arbeit ist – wird Picard also als Android wiederkehren.

Ausklang: Nachdem das Wiedersehen Picards mit den Seinen plus einem kurzen Update zu seiner neuen „Hülle“ abgeschlossen ist, erinnert er sich an Datas Wunsch: „Ich muss ein Versprechen erfüllen.“

Während er selbst – wegen des Androidenkörpers – ein paar Jahrzehnte hinzugewonnen hat (theoretisch sogar die Unsterblichkeit), bat Data darum, sein Bewusstsein „abzuschalten“, denn er, Data, glaube, dass Unsterblichkeit das Leben entwerte, unecht mache; der Tod gehöre zum Leben, nur Leben, das den Tod umfasse, ist echtes Leben. „Ein Schmetterling“, so Data, „der nicht stirbt, ist kein Schmetterling.“

Datas Ende …

Die letzten Minuten der Episode (und damit auch der Serie) gehören Data, genauer: dem Sterben Datas. Alle – buchstäblich alle, die bei Star Trek: Picard in vorderster Reihe dabei waren – sitzen beisammen, um Data die letzte Ehre zu erweisen.

Der Robot, der sich, gleichsam als letztmögliche Perfektion seiner Existenz, die menschliche Sterblichkeit wünscht, entstammt der Story Der Zweihundertjährige von Isaac Asimov, die im Original als The Bicentennial Man 1976 erschien; es war die letzte Robot-Geschichte Asimovs (die auch bereits verfilmt wurde, nämlich 1999 von Chris Columbus).

Hat Star Trek: Picard diese Idee also abkupfert? Im Prinzip schon. Aber erstens ist das auch als Kopie eine verdammt gute Idee. Und zweitens kann man Klassiker nicht beklauen; man kann sie zitieren, paraphrasieren und so weiter. Und zum Klassiker wurde Asimov in der zweiten Episode erklärt; sozusagen als Vorbereitung des Finales …

Fazit 10. Episode: Ganz und gar Star Trek (TNG).

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Fazit Serie: Die Stärke der 10. Episode – ganz und gar Star Trek zu sein – ist aber auch eine der Schwächen der Serie als Ganzes.

Die ersten Episoden hielten sich noch eine ganze Menge Optionen offen – in Form von möglichen Plots und/oder Personenkonstellationen: Die Föderation, die einen ihrer Verbündeten im Stich lässt (und damit verrät, wofür sie bisher gestanden hat) oder das TV-Interview, in dem Picard durch einen Oprah-Verschnitt – weiblich, schwarz, arrogant – vorgeführt werden soll, was Picard sich aber nicht bieten lässt. Doch im weiteren Verlauf der Serie zeigt sich leider sehr schnell, dass all die potenziell guten Plot-Ansätze nur halbherziges Antäuschen, ein So-tun-als-ob war. So auch der Borg-Kubus, der eigentlich nur im Spiel ist, damit Seven of Nine innerhalb der Serie nicht in der Luft hängt. Oder das Streitgespräch zwischen Picard und einem Admiral der Föderation, in dem grundsätzliche moralische Fragen diskutiert werden – nichts weiter als Schaumschlägerei im Stile TNGs, die denn auch nicht weiter verfolgt wird.

Nicht dass der Hauptplot, der sich schließlich herausschält, schlecht erzählt wäre. Im Gegenteil. Aber er geht halt keinerlei Risiken ein. Eine gute Star-Trek-TNG-Geschichte, die vor 20 Jahren vielleicht sogar sensationell gewesen wäre. Heute ist sie bloß Dutzendware.

Und so bleibt am Ende vor allem das Gefühl, zwar keine schlechte Serie gesehen zu haben, aber auch eine, die ihre Möglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft hat (und das offenbar auch nicht wollte).

Star Trek: Picard (7., 8. und 9. Episode)

Als Picard und Dahj auf Nepenthe ankommen (Episode 7), wird das bisherige Tempo der Serie zurückgenommen, quasi eine Atempause eingelegt. Das sagt schon der Name: Népênthos wird in Homers Odyssee (4. Gesang) als „ein Mittel gegen Kummer und Groll“ bezeichnet. Pênthos bedeutet Kummer oder Ärger, ist eine Verneinungspartikel; Nepenthe heißt übersetzt also: sorgenfrei. Mit „Mittel“ ist eine „Würze“, also eine Droge gemeint.

Und so, also als Beruhigungsdroge, als antikes Valium, wenn man so will, wird – böse ausgedrückt – die Episode auch eingesetzt. Picard trifft auf alte Bekannte, auf William Riker, ehemals Erster Offizier auf der Enterprise, und auf Deanna Troi, Counselor der Enterprise, beide jetzt ein Paar, das sich einst auf Nepenthe zurückgezogen hatte, um ihrem Sohn – vergebens – das Überleben zu ermöglichen. Die Serie nutzt das, um nostalgisch alte (und vermeintlich bessere) Zeiten zu beschwören. Und nicht zuletzt, um alte Fans – die vor allem von Episode 5 ein wenig pikiert waren – nicht völlig zu vergraulen. (Was im Großenganzen auch funktioniert.)

Treffen einer Generation …

Das Bemerkenswerteste an der 8. Episode ist, dass Seven of Nine zurückkehrt. Sie wurde von Elnor alarmiert, als die Romulaner ihn auf dem Borg-Kubus in die Enge getrieben hatten. Und sie macht da weiter, wo sie als Rächerin in Episode 5 aufgehört hat: Sie klinkt sich, als Borg-Queen, ins lokale Borg-Kollektiv ein, um die Romulaner aus dem Artefakt zu jagen. Was auch glückt. Doch ist bereits eine riesige romulanische Flotte auf dem Weg zu Sojis Heimatwelt – um dort, an der Quelle sozusagen, die Androiden zu vernichten.

Seven of Nine

Und auf diesen Endkampf zwischen organisch entstandenem und künstlich geschaffenem Leben hat die Serie, offenbar von Anfang an, hingearbeitet. (Harastos gibt zu, dass er 1. diversen falschen Fährten gefolgt ist und ihm das 2. und generell nicht immer so klar war, obwohl bereits die allererste Szene der Serie – die Pokerpartie zwischen Picard und Data – das mehr als nur angedeutet hat …)

Und Episode 9 macht dann auch Ernst: Picard gelangt durch einen – von Soji initiierten – Transwarp-Kanal der Borg zur Androiden-Heimatwelt. Aber er ist mit seiner Crew nicht der Einzige, der diesen Weg gegangen ist: Aus dem Kanal taucht auch der Kubus auf (im Übrigen eine sehr beeindruckende Szene), und auch Narek, der Beinahe-Mörder Sojis, schafft es durch den Kanal. Er eröffnet sofort das Feuer auf Picards Schiff. Bevor es jedoch zur Eskalation kommt, greifen planetare Abfangjäger ein (die aussehen wie hypertrophe Orchideen) und zwingen alle drei Schiffe zur Notlandung auf dem Planeten.

Dort gelangt Picard mit seinen Leuten schließlich – zusammen mit Seven of Nine und Elnor, die den Absturz des Kubus überlebt haben – in eine idyllische Siedlung, bewohnt nur von Androiden. Es ist die Heimat Sojis; Maddox hat sie dort mit ihren Schwestern erschaffen. Die Siedlung wirkt, samt ihrer Bewohner, als befände man sich mitten in Height Ashbury zu Zeiten des Summer of Love, also 1967. Das ist zum einen der Höhe- (und End-)Punkt der Hippie-Bewegung und zum anderen auch ein Jahr, in dem noch die Ur-Serie des Star-Trek-Universums im US-Fernsehen lief.

Aber als bloßes Zitat ist es ein bisschen dick aufgetragen. Ist es also Ironie? Und die Ironie läge dann darin, dass die Hippies von damals hier von Androiden repräsentiert werden, also von Supertechnik, während die damalige Gegenkultur ja im Allgemeinen der Technik eher ablehnend gegenüberstand?

Aber falls es sich tatsächlich um Ironie handelt, wird diese sehr schnell wieder fallengelassen. Wir erfahren – eine Gedankenverschmelzung bringt es an den Tag –, dass es „jenseits der Grenzen von Zeit und Raum“ eine umfassende „Allianz des Künstlichen Lebens“ gibt. Und die steht bereit, den Androiden im Kampf gegen die Organischen beizustehen. Sie wartet nur auf das Signal der Androiden: „Ruft uns herbei und wir werden kommen.“ Das hätte allerdings Konsequenzen, denn: „Eure Evolution (also die der Androiden) wird zu ihrer (gemeint sind wir, die Organischen) Auslöschung führen.“

Picard spricht sich (natürlich) dafür aus, dass man es nicht zu einem offenen Kampf mit der romulanischen Flotte kommen lässt, die unterwegs ist, um die Androiden des Planeten zu vernichten. Er empfiehlt, sich in Sicherheit zu bringen. Doch Sutra, die Schwester Sojis, ist anderer Meinung: Sie will die Hilfe der Allianz in Anspruch nehmen (und lässt Picard festnehmen).

Alles ist also bereitet für das Finale, für den manichäischen Kampf künstliches gegen organisches Leben. Harastos liebt ja derartige Alles-oder-Nichts-Konstellationen, und hofft nur, dass der Sieg der Organischen, der natürlich absehbar ist, nicht allzu platt ausfällt. (Quasi unvermeidlich: Soji, der Android, wird sich am Ende auf die Seite des Organischen stellen.)

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Die letzte Episode von Star Trek: Picard morgen auf Amazon Prime.

Star Trek: Picard (6. Episode)

Als Picard endlich auf dem stillgelegten Borg-Kubus der Romulaner ankommt, wird es für Soji bereits gefährlich. Zunächst war Narek irritiert, als er erfuhr, dass Soji träumt, denn wozu sollten Träume für einen Androiden gut sein. Ein regelmäßig wiederkehrender Alptraum Sojis belehrt ihn eines Besseren und er geht ihren Träumen im Detail nach. Und wird dabei fündig: Er findet – in Bildern, ohne konkreten Namen, geschweige denn Koordinaten – die Heimatwelt Sojis.

Nachdem er damit sozusagen ans Ziel gelangt ist – die Heimatwelt Sojis ermöglicht es den Romulanern, die jede Form künstlichen Lebens verabscheuen, die „Quelle“ zu vernichten, aus der alle neuen Androiden des Typs Soji stammen – geht er daran, Soji (durch einen Giftgasangriff) zu töten. Aktiviert dadurch aber deren Androidennatur. Sie kämpft sich, mithilfe Hughs, der das später mit seinem Leben bezahlen wird, einen Weg durch den Kubus, trifft dabei auf Picard, der, in die Enge getrieben, keine andere Möglichkeit mehr sieht, als mit einer Borg-Beam-Technik vom Kubus zu fliehen. Als Ziel fällt ihm auf die Schnelle nur Nepenthe ein, die Welt, auf der sich William Riker, ehemals Erster Offizier auf der Enterprise, mit seiner Frau Deanni Troi, ehemals Counselor auf der Enterprise, nach der Geburt ihres ersten Kindes zurückgezogen hatten.

Und der Dialog der Woche fasst zusammen, was das „klassische“ Star Trek (womit hier TNG gemeint ist) vom neuen Star Trek unterscheidet (und womit so mancher „altgediente“ Fan seine Schwierigkeiten hat …):

Jurati: „Wieso gefällt’s Ihnen hier draußen?“

Rios: „Im Weltraum …?“

Jurati: „Es ist kalt – und verlassen. – Und es will einen töten.

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Star Trek: Picard jeden Donnerstag auf Amazon Prime.

Star Trek: Picard (5. Episode)

Was sich bisher schon angedeutet hat – etwa mit der Erwähnung Dünkirchens, mit Androiden, die praktisch gegen die Menschheit in die Schlacht ziehen (und sie gewinnen), mit romulanischen Killerkommandos, mit einer Föderation, die sich, so Picard, „schlichtweg kriminell“ aus einer Rettungsaktion zurückzieht, mit einem Borg-Kubus in den Händen der Romulaner und manch Anderem –, wird in dieser fünften Episode, zur Halbzeit der Serie, sozusagen exekutiert, was diese Episode zur vielleicht härtesten macht, die man im Rahmen von Star Trek je gesehen hat.

Bruce Maddox befindet sich zwar auf Freecloud, dort aber in der Hand von Bjayzl, eine skrupellose „Händlerin“ in Sachen Borg-Implantaten. Seven of Nine bietet sich als Köder zum Austausch gegen Maddox an, denn sie verfügt ja reichlich über Implantate. Picard hält das für eine gute Idee; er ahnt nicht, dass Seven of Nine und Bjayzl noch eine Rechnung offen haben.

Um Handel mit Borg-Implantaten zu treiben, muss man sie erst einmal haben. Und im dieswöchigen Rückblick sehen wir, wie Bjayzl sie „ohne jede Betäubung“ aus Icheb extrahieren lässt. Icheb, von den Borg assimiliert, wurde auf der Voyager unter Führung von Seven of Nine wieder in die Menschheit reintegriert. Kein Mensch stand Seven of Nine näher als er; er war wie ein Sohn für sie. Als sie ihm zu Hilfe eilte, war es bereits zu spät: Ihr blieb nichts anderes mehr übrig, als ihn mit einem “Gnadenschuss“ zu erlösen.

Obgleich das ein geradezu klassisches Ausgangsszenario darstellt, dem dann das Unvermeidlich folgt, dauert es eine Weile, bis man es erkennt, und noch ein Weilchen, bis man es glauben kann: Das Drehbuch (Kirsten Beyer) und die Regie (Jonathan Frakes) bauen – was man in Star Trek noch nie gesehen hat – eine veritable Rache-Geschichte auf und ziehen sie auch durch.

Der Showdown wird eingeleitet durch ein Gespräch zwischen Seven of Nine und Picard. Während sie zwei schwere Phaserwaffen an sich nimmt, die ihr Picard angeboten hat, fragt sie ihn (mit den Waffen in der Hand): „Hatten Sie, nachdem man Sie aus dem Kollektiv zurückgeholt hat, wirklich das Gefühl, dass Sie Ihre Menschlichkeit zurückgewonnen hätten?“

„Ja“, antwortet er ohne zu zögern.

„Voll und ganz?“, fragt Seven of Nine nach.

Jetzt zögert er, dann: „Nein. Aber wir beide arbeiten daran, nicht wahr?“

„Jeden verdammten Tag.“

Wenig später steht Seven of Nine, schwer bewaffnet, Bjayzl gegenüber. Wird sie es tatsächlich tun? Icheb rächen, indem sie Bjayzl tötet? Für Star Trek wäre es – die gespaltene Reaktion der Fans auf diese Episode bestätigt das – eine Art Scheideweg, denn wenn sie es tut, würde das in letzter Konsequenz bedeuten, dass sie durch den (vollzogenen) Racheakt ihre volle Menschlichkeit zurückgewinnt.

Fazit: Eine Reise ins Herz der Finsternis.

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Star Trek: Picard jeden Donnerstag auf Amazon Prime.