SciFi Quickies II: Harbinger Down, Die 5. Welle

Harbinger Down

Rund 30 Minuten lässt sich der Film Harbinger Down (USA 2015) Zeit, die Charaktere einzuführen, die Story zu skizzieren, den Ort des Geschehens – einen Krabben-Kutter – zu schildern. Optisch ist das nichts Spektakuläres, sondern ruhig, gelassen, einfach, aber klar erzählt, und lässt einem die Hoffnung, die restlichen 50 Minuten, die der Film noch dauern wird, nicht mit einschlägiger Alien-Horror-Splatter-Schleim-und-Blut=Action zugemüllt zu werden. Diese Hoffnung stirbt sozusagen schlagartig in der 37. Minute, als das erste Besatzungsmitglied von dem unbekannten (Alien-)Organismus, dharbinger down posteren man zu Forschungszwecken geborgen hat, übernommen und in einer hektischen Splatter-POV-Sequenz zum Platzen gebracht wird. Diese Szene wirkt optisch nicht ganz überzeugend – aber das war auch die entsprechende Sequenz in Alien (1979), ewiges Vorbild für Derartiges, nur bedingt. Schon 5 Minuten später folgt die nächste Splatter-Sequenz. Und mehr hat der Film letztlich nicht zu bieten: Splatter, unterbrochen von mehr oder weniger überzeugenden Dialogen oder Action-Sequenzen, die nur immer zum nächsten Horror-Effekt überleiten. Auch die Story, für die sich eh niemand so richtig interessiert (einschließlich Alec Gillis, Drehbuchautor und Regisseur), dient einzig diesem Zweck.

Fazit: Es gibt, wie in Alien, nur eine Überlebende – aber das reißt Harastos am Ende auch nicht grade aus dem Sitz …

Die fünfte Welle

Bei Alieninvasionsundoderübernahmefilmen auf Originalität zu hoffen, bedeutet in der Regel, enttäuscht zu werden. Aber der Film Die fünfte Welle (The 5th Wave, USA 2015) hat Momente, die die Hoffnung zumindest nie ganz sterben lassen. Es gibt aber auch immer wieder Momente, wo der Film in Teenie- und Aliens-Klischees watet, dass in einem der Ärger hochsteigt und man sich fragt, ob man sich das Ganze bis zum Ende antun sollte. Das Ende des Films selbst hebt sich dann wieder wohltuend vom Genreüblichen ab, denn es zeigt keine siegreiche Menschheit, sondern nur eine, die sich noch nicht aufgegeben hat: „Es ist unsere Hoffnung, die uns zu Menschen macht“, lautet der letzte Satz des Films. Diese Schlusssequenz ist durchaus beeindruckend, auch wenn sie ein bisschen zu sehr auf eine Fortsetzung ausgelegt sein mag, denn die Romanvorlage des Films, geschrieben von Rick Yancey, ist eine Trilogie.5th wave poster dtFazit: Durchwachsen, aber nicht hoffnungslos! Ein Film mit großen Momenten (auch großartigen Bildern), der dann aber auch üble Stereotypen (und nicht ganz so überzeugende Bilder) liefert, die er dann nur mit Mühe wieder hinter sich lassen kann. — Hier noch eine Rezension, die die Stärken und Schwächen des Films sehr schön zusammenfasst.

Edge of Tomorrow

Wieder einmal muss die Menschheit ran: In der Operation Downfall – Untergang – stemmt sie sich gegen denselben. Bereitet soll er ihr von den Mimics werden, Aliens, die eigens zu diesem Zweck – es ist offenbar ihr einziges Lebensziel, Planeten zu erobern – auf der Erde eingefallen sind. Doch Downfall ist keine Operation, die die Menschheit gestartet hat – das glaubt sie nur: Es ist eine Falle, ein Hinterhalt der Aliens. Allerdings kein gewöhnlicher, sondern einer, der die menschheitlichen Streitkräfte, zusammengefasst in der UDF (United Defense Force), nicht nur an einen Ort führt, an dem sie in ihr Verderben rennen soll, sondern immer wieder dorthin führt, denn die Aliens können die Zeitlinie manipulieren.

Wer jetzt aber glaubt, dass Edge of Tomorrow (USA 2014) ein Film ist, der sich in einer komplizierten Zeitreise-Geschichte verliert (was bei solchen Geschichten ja häufig passiert), der irrt. Doug Liman (Regie) sowie Christopher McQuarrie, Jez und John-Henry Butterworth (Drehbuch, nach einem Kurzroman des japanischen Science-Fiction-Autors Hiroshi Sakurazaka) liefern einen gradlinigen Action-Film ab, der die nötigen Erklärungen wohldosiert und immer an den richtigen Stellen einfügt. Der Handlungsfaden des Films geht dabei nie verloren und läuft strikt auf den (allerdings absehbaren) Showdown zu.

Schlachtfeld Edge of Tomorrow

Die Ausgangslage wird in den ersten Minuten anhand von Nachrichtensplittern vermittelt: Die Aliens haben ihren Krieg gegen die Menschheit in Europa angefangen – Deutschland und Frankreich gingen als erstes „verloren“ – und befinden sich auf dem Vormarsch auf London. Unaufhaltsam, denn „ein Feind, der die Zukunft kennt, kann nicht verlieren“. Außer natürlich, der Angegriffene findet einen Weg, ebenfalls Zugriff auf die Zeitlinie zu finden.

Genau das gelingt – zunächst unbeabsichtigt und unwissentlich – William Bill Cage, PR-Mann und seines Zeichens Drückeberger, der sich so gar nicht direkt an der Front sieht, wohin ihn General Brigham aber, wenig einsichtig, abkommandiert. Bei seinem ersten Kampfeinsatz im Rahmen der Operation Downfall – seine Einheit wird, „am Strand“, von den Aliens erwartet und fast vollständig ausgelöscht – tötet er ihm letzten Moment ein Alien, bevor es ihn töten kann. Dabei kommt er in Kontakt mit Alien-Blut. Und das ändert alles – für ihn persönlich ebenso wie für den Ablauf des gesamten Krieges. Aliens agieren nicht als Individuen, sondern als einziger Organismus, und das Alien, das Cage tötet, ist ein Alpha-Exemplar mit Zugriff auf die Zentraleinheit (gleichsam das Gehirn) aller Aliens. Dieses Gehirn – wenig originell als Omega bezeichnet – befindet sich an einem unbekannten Ort und steuert die Zeitlinie. Immer, wenn die Alien-Armeen in Bedrängnis geraten, setzt das Omega die Zeit zurück, lässt den Tag also von vorn beginnen, was es den Aliens ermöglicht, alle Verteidigungsstrategien der Menschheit erfolgreich zu kontern.

Durch das Blut des Alpha-Aliens geht die Fähigkeit, die Zeit immer wieder zurückzusetzen, auf Cage über. Aber nur, wenn er im Einsatz stirbt. Wird er gerettet und erhält dabei beispielsweise eine Bluttransfusion, geht sie verloren. Darauf bezieht sich der martialische Slogan, mit dem der Film beworben wird: „Live. Die. Repeat.“

Bei seinem Kampf gegen Aliens und die Zeit trifft Cage, der für nichts, was mit ihm geschieht, eine Erklärung hat, auf Rita Vrataski, eine Kämpferin und Kriegsheldin – Nickname „Full Metal Bitch“ oder auch, respektvoller, „Der Engel von Verdun“ –, die sofort erkennt, über welche Fähigkeiten er verfügt. Denn sie selbst hatte sie, vor Verdun, ebenfalls. Sie konnte eine Menge Menschen retten – bis sie selbst gerettet wurde. Dann war es damit vorbei und die Schlacht (sowie Frankreich) ging verloren.

Fortan nehmen sie es gemeinsam mit dem Feind auf. Ziel ist es, das Omega zu finden und zu zerstören. Startpunkt ist der Strand. Anfangs kommen sie nicht sehr weit: Immer wieder sterben sie, immer wieder beginnt die Schlacht von Neuem, immer wieder wird sie verloren. Aber bei jedem Durchgang kommen sie, da er ja weiß, was sie quasi an der nächsten Biegung erwartet, ein Stückchen weiter. Nebenher trainiert sie ihn, an Maschinen, die die Kampftechnik der Aliens simulieren. Verletzt er sich dabei, bricht sich etwa ein Bein, springt sie hilfreich ein und tötet ihn. Was ihr nicht sehr schwer fällt, da er für sie stets ein Fremder bleibt. Nur er ist es, der sich an die vergangenen Durchläufe erinnern kann. Woraus der Film auch eine Menge Komik bezieht, da auch alle anderen im Film nicht wissen, dass Cage weiß, was gleich passieren wird.

Dutzende, Hunderte von Malen durchläuft der Film immer wieder den gleichen Tag, die gleichen Ereignisse, die gleichen Niederlagen und Tode. Viele werden gezeigt, andere nur angedeutet. Der Film arbeitet sich sozusagen durch einen Wust von Wiederholungen und fügt dabei immer ein Stück Neuigkeit hinzu. Gerade so viel, dass man als Zuschauer dabei bleibt. Und auch nicht ermüdet. Bis nach über anderthalb Stunden schließlich das Omega gefunden wird – es befindet sich in der Eingangspyramide des Louvre im entvölkerten Paris – und der Showdown Mensch gegen Alien ins finale Stadium münden kann.

Fazit: Es ist ein (beinahe oscarwürdiges) Kunststück, wie das Drehbuch es fertig bringt, einen fast zweistündigen Action-Film, der zum Großteil aus Wiederholungen besteht, nicht öde oder kopflastig werden zu lassen. Vorzuwerfen ist dem Film allerdings, dass er keinerlei Substanz aufweist. Die einzige Botschaft, die er hat (und die ist öde): Der Feigling, der über sich hinauswächst und zum Helden wird.

Zero Gravity

The Last Push (USA 2013) – der deutsche Titel Zero Gravity ist wohl der Versuch, sich an den Erfolg von Gravity zu hängen –, schickt (nach Europa One) eine weitere bemannte Mission zum Jupitermond Europa. Diesmal nennt sie sich Life One, ein privat finanziertes Raumschiff mit zwei Mann Besatzung. Losgeschickt wurde es, um das Leben auf Europa, das eine NASA-Sonde auf Fotos festgehalten hat, vor Ort näher zu untersuchen. Auf dem gezeigten Foto sind schemenhaft zwei riesige Wale unter dem dicken Eispanzer Europas zu sehen. Laut Off-Stimme gaben diese „geisterhaften Bilder der Menschheit die Gewissheit, dass die Entstehung von Leben, wie wir es kennen, nicht auf die Erde beschränkt ist“. Life One wird also losgeschickt, um „zum ersten Mal seit den 1970er Jahren“ wieder „eine entfernte Welt zu betreten“.

Um auf diese Welt zu gelangen, muss Life One einen Umweg über die Venus (also in die entgegengesetzte Richtung) in Kauf nehmen: Beim Umfliegen des Planeten holt das Raumschiff Schwung und kann so energiesparend ins äußere Sonnensystem gelangen (was man ein Flyby-Manöver nennt). Doch kurz nach dem Flyby (nach 10 Minuten Filmzeit; Life One befindet sich auf dem Weg Richtung Erde, wo ein neuerliches Flyby durchgeführt werden soll), kommt es zu einer Kollision mit einem Meteoriten, bei dem (natürlich) einer der beiden Astronauten ums Leben kommt und das Schiff manövrierunfähig geschlagen wird. Im Grunde genommen ist das schon die gesamte Handlung des Films; die restlichen 70 Minuten bestehen daraus, wie Mission Control den übrig gebliebenen Astronauten durch emotionale Tiefs und ein paar technische Probleme Richtung Erde lotst.

Das könnte ja durchaus interessant, vielleicht sogar spannend sein. Aber leider würgen die Dialoge jedes Interesse immer wieder ab; sie sind einfach zu schlicht, zu absehbar, zu gewollt pathetisch. Unterboten werden sie allerdings noch von den dazwischen geschnittenen Interviews und Statements von irdischen Beobachtern der Mission (Techniker, Wissenschaftler, Zuschauer): Man hört praktisch nur völlig beliebige Plattheiten, die auch noch ständig wiederholt werden. Drehbuch und Regie (beide Eric Hayden, ein Special-Effects-Mann, der hier seinen ersten Film produzierte) gelingt es zu keinem Zeitpunkt, über ein paar Grundeinfälle hinauszukommen.

Auch die menschliche Neugier wird natürlich, wie schon im Europa Report, gehörig beschworen, vor allem mit nervigen Allerwelts-Phrasen, die jeden Tiefgang konsequent verweigern. Und der Schluss, der die menschliche Suche nach Erkenntnis illustrieren soll – Life One erreicht die Erde, der Astronaut entschließt sich aber eigenmächtig, nicht zu landen, sondern die Reise nach Europa fortzusetzen – verpufft in sülziger Musik und noch mehr Phrasen (da reißt auch T. S. Eliot nichts mehr heraus, der zitiert wird).

Fazit: Optisch macht der Film durchaus Einiges her (mit Ausnahme der Havarieszene, die aussieht, als stamme sie aus den 1970ern), aber dramaturgisch ist er hauptsächlich eine Aneinanderreihung von Durchhängern. Streckenweise ist eine Yoga-Session erheblich stressiger als dieser Film. Und bietet (nicht immer, aber bei regelmäßigem Üben immer öfter) sogar mehr Erkenntnis.

Der Film erschien am 28. März 2014 auf DVD und BD. Auf einen Kinostart wurde verzichtet. Oft wurde der Film nicht rezensiert, aber hier findet sich immerhin eine positive Bewertung (die in fast allem gegenteiliger Ansicht ist als harastos und ihn mit 7 von 10 Punkten bewertet).

Pacific Rim

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Nachdem Pacific Rim (USA 2013, Regie: Guillermo del Toro) mit diesem Insert gleich am Anfang die sprachlichen Fronten abgesteckt hat – keine Alltäglichkeit: ein japanisches und ein deutsches Wort, die gleichsam die Hauptrolle in einem US-amerikanischen Actionfilm spielen (bzw. das, was sie benennen) –, geht es noch fulminanter weiter: Es wird der Einsatz eines „Jaegers“ gegen ein Kaiju, ein Monster, gezeigt, der in einer totalen Niederlage, einer bedingungslosen Kapitulation, wenn man so will, endet.

Kaijus sind wolkenkratzergroße Aliens, die allerdings nicht von daher kommen, wo Aliens für gewöhnlich herkommen. Man hat schlicht „in die falsche Richtung“ geschaut, denn die Kaijus kommen nicht aus dem All, sondern „aus den Tiefen des Pazifischen Ozeans, aus einer Spalte zwischen zwei tektonischen Platten: einem Portal zwischen den Dimensionen“. Dieses Portal wird Breach genannt. Das erste Kaiju kam in San Francisco zur Erdoberfläche, und „als Panzer, Kampfjets und Raketen es sechs Tage später und 35 Meilen weiter zur Strecke brachten, lagen drei Städte in Trümmern, zehntausende Leben waren ausgelöscht“. Und dann erfolgte, „nur sechs Monate später“, der Angriff auf Manila; es folgte ein dritter, ein vierter; „und dann wurde uns klar: Es würde nicht aufhören, das war nur der Anfang. Wir brauchten eine neue Waffe …“

Und das sind die Jaeger: Humanoide Roboter, ebenfalls wolkenkratzergroß, die aber über kein eigenes neuronales Zentralorgan (sprich Gehirn) verfügen, sondern von Menschen, die sich in ihrem Brustkorb befinden, gesteuert werden müssen. Ihre schiere Größe und damit verbundene Komplexität erfordert stets zwei Menschen als „Steuerleute“, deren Gehirne zudem zusammengeschaltet werden müssen. Gehirne in diesem Zustand befinden sich im Drift. Zwei Menschen im Drift sind aber wie ein Mensch: Alles, was der eine fühlt und denkt, denkt und fühlt auch der andere.

Genau das wird – beim einleitenden viaskösen Jaeger-Einsatz – Raleigh Becket zum Verhängnis. Mit seinem Zwillingsbruder sitzt er im Jaeger Gypsy Danger, und versucht, einen Kaiju-Angriff zurückzuschlagen. Ohne Erfolg. Sein Bruder wird getötet, ihm mitten im Drift aus dem Gehirn gerissen.

Fünf Jahre später – nachdem auch Lima, Seattle, Wladiwostik verloren gingen – wird das Jaeger-Programm offiziell beerdigt und ersetzt durch den Bau einer gigantischen Mauer (der „Wall of Life“), die den Breach abriegeln soll, damit er nicht mehr als Einbruchstor für die Aliens dienen kann, und Raleigh heuert bei diesem Mauerbau an. Aber das ist natürlich kein Job für Helden (sondern für harte Malocher), weshalb er sich gern von Stacker Pentecost, dem Leiter des einstigen Jaeger-Programms, abwerben lässt. Der reanimiert nämlich die Jaeger, allerdings nicht mehr als militärisch geführte Einheit, weshalb gilt: „Wir sind keine Armee mehr, Mr. Becket. Wir sind der Widerstand.“

Und einen Plan hat er (natürlich) auch: „Wir greifen den Breach an, Mr. Becket. Wir schnallen einen thermonuklearen Sprengkopf von 1200 Kilo auf Strikers Rücken.“ Striker Eureka ist ein Jaeger der 5., der neuesten Generation. Und Becket im alten Gypsy Danger (3. Generation) sowie zwei weitere Jaeger sind quasi als Strikers Schutzwall eingeplant. Alle diese Jaeger sind Restbestände; mehr als vier insgesamt stehen nicht mehr zur Verfügung.

Als Beckets Drift-Partner wird nach langem Gewürge Mako Mori erkoren. Aber stolz darauf, auch wenn das im Film so dargestellt wird, sollte sie – wäre Pacific Rim die wirkliche Welt – nicht sein. Zum einen ist sie (natürlich) das frühkindliche Opfer eines Kaiju-Angriffs und wurde von Stacker Pentecost gerettet, als der noch selbst Jaeger-Pilot war, und später auch adoptiert. Damit wird erklärt – hoch lebe die Film-Psychologie! –, weshalb er sich so lange zierte, ihr einen Jaeger anzuvertrauen. Zum anderen bewährt sie sich in einer (vermeintlich) asiatischen Kampfsportart gegen Raleigh. Vermeintlich, weil die geschilderte Taktik reichlich simpel und die inszenierte Geschwindigkeit (wie bei Hollywood-Filmen leider keine Seltenheit) viel zu langsam ist. Da strickt harastos seine Söckchen wesentlich schneller …

Der Plan geht jedoch beim ersten Versuch schief: Zwei Jaeger werden von den Kaijus zerstört; Striker Eureka kann seine Bombe nicht zum Einsatz bringen. In einem völligen Fiasko endet die Mission nur deshalb nicht, weil Becket und Mako Mori im Gypsy Danger, der im Unterschied zu den anderen Jaegern „analog und thermonuklear“ ist, zur rechten Zeit eingreifen können. Schon wieder also das Abfeiern des Analogen. Und Gypsy Danger ist es natürlich auch, der am Schluss den Breach und damit die Aliens endgültig, radikal, ein für allemal plattmacht. Noch ein bisschen Helden-Gefeiere, dann nach über 2 Stunden der Abspann.

Fazit: Es gibt viel zu sehen (Action) und zu hören (ebenfalls Action). An der Ästhetik des Films gibt es nichts zu bekritteln, außer vielleicht, dass er einen Tick zu schrill und laut ist. Für zwei vergnügliche Stunden reicht das – für mehr aber auch nicht. Auf keinen Fall sollte man den Fehler hier wiederholen und zu viel über diesen Film nachdenken …

After Earth

Es gibt zahllose Filme, die Söhne im Clinch mit ihren Vätern zeigen und es gibt mindestens genauso viele Filme, die zeigen, wie man zum Helden wird (indem man zum Beispiel seine Angst überwindet, was ja geradezu ein filmischer Standardtopos ist). In After Earth (USA 2013) verbindet der Regisseur M. Night Shyamalan das Heldentum mit einem Vater-Sohn-Konflikt.

General Cypher Raige ist ein Militär durch und durch, was schon sein Name ausdrückt: Der Vorname Cypher steht für Ziffer oder Chiffre, aber vor allem für Vorgänge, die sich zyklisch, das heißt geistlos wiederholen. Und der Nachname Raige wird ausgesprochen wie rage = Wut, wobei das i, das nicht gesprochen wird, vielleicht seine unterdrückte Wut symbolisiert, die in ihm ist. In Verbindung vielleicht mit seiner Schweigsamkeit, denn Worte sind nicht sein Ding, sondern – wie das einem Helden ja auch zukommt – Taten, die er vollbringt. Und so wird in dem Film sehr wenig gesprochen, was eher ungewöhnlich (aber durchaus wohltuend) ist für Filme aus Hollywood .

Vor etwa 1000 Jahren war die Erde so verseucht, dass der Menschheit keine andere Wahl mehr blieb, als den Planeten zu wechseln: Man besiedelt Nova Prime, der sich jedoch nicht als unbewohnt erweist. Die Aliens schicken die Ursas los, „Monster“, eigens dafür gezüchtet, Menschen über den Geruch ihres Angstschweißes aufzuspüren und zu töten. Die Gegenwaffe der Neusiedler sind die Rangers: Menschen, die keinerlei Angst verspüren, daher von den Ursas unangreifbar sind. General Raige ist einer dieser Ranger, naja: nicht irgendeiner, sondern natürlich der beste. Ein Superschlächter ohne jede Angstempfindung – also quasi per definitionem ein Superheld. Allerdings einer, der Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach dem Einsatz, zu dem er unterwegs ist (die Beaufsichtigung eines Trainingslagers für Ranger), will er sich zur Ruhe setzen. Doch stürzt das Raumschiff, das ihn samt seinem Sohn ins Lager bringen soll, auf dem Weg dorthin ab. Es gibt nur drei Überlebende: Raige (schwer verletzt), sein Sohn Kitai und ein Ursa, der sich als Gefangener an Bord befunden hat. Der Planet, auf dem sie abstürzen, ist ausgerechnet die Erde, die die Menschheit vor 1000 Jahren verlassen musste: „Jede einzelne Entscheidung, die du triffst, bedeutet Leben oder Tod“, schärft Raige seinem Sohn nach der Havarie ein. „Das ist ein Kategorie-1 Quarantäre-Planet. Alles auf diesem Planeten ist dazu mutiert, Menschen zu töten.“

Die Belehrung ist nötig, weil Kitai das havarierte Schiff verlassen muss, um einen Notfallsender am Heck des Schiffs zu finden, 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt. Das Ding ist „silberfarben“ und sieht aus „wie ein Raumschiff“ (genau genommen wie die Enterprise). „Du musst“, so Raige, „diesen Notfallsender finden, sonst werden wir sterben.“

Junior macht sich also auf den Weg, ständig unter den Augen (durch Kameras) sowie unter medizinischer Überwachung (durch Sensoren) des Vaters, der wegen seiner Verletzung die Brücke am Bug des Schiffs nicht verlassen kann. Allein das ist für den Junior schon eine schwierige Situation. Noch schwieriger machen es seine Begegnungen mit der einheimischen, das heißt terrestrischen Fauna. Immer sind sie mit Angst verbunden. Er weiß nie, ob er nur eingeschüchtert werden soll oder gleich totgeschlagen und/oder gefressen wird. Senior ist im Hintergrund hilfreich, indem er dem Sprössling sein unbedingtes Credo einhämmert: „Angst ist nicht real … Gefahr ist sehr wohl real. Aber Angst ist eine Entscheidung.“ Mit diesem Spruch – Angst ist eine Entscheidung – wurde der Film auch beworben.

Auch wenn dieser Satz im Film nur einmal ausgesprochen wird, so gibt er ihm doch den ständig mithämmernden Rhythmus vor. Höhepunkt ist, wie der Ursa, der den Absturz natürlich überlebt hat, über Kitai hinweglatscht ohne ihn zu bemerken, weil Junior am Ende endlich den Status des gefühlskalten Helden erreicht hat. Als solcher schlachtet er den Ursa dann selbstverständlich ab. Was der Film quasi als seine Mensch- bzw. Mannwerdung feierlich inszeniert.

Fazit: Streckenweise überwältigende Bilder und Szenen, deutlich inspiriert von Avatar (wenn sie daran auch nie ganz heranreichen), vor dem Hintergrund einer (zumindest) dünnen Story mit einer Moral, die man fragwürdig finden mag.

After Earth ist ein Film, an dem sich offenbar die Geister scheiden: Zwar bemängeln die meisten Rezensenten seine zweifelhafte Heldenmoral, doch tun sie das dann meistens mit dem extrem enervierenden Hinweis, dies sei ideologische Propaganda für Scientology, nur weil der Hauptdarsteller (Will Smith) ein paar Mal dieser amerikanischen Religionsgemeinschaft (hierzulande meist Sekte genannt) größere Spenden hat zukommen lassen. Besonders penetrant wird das hier betrieben (da spielt der Film selbst kaum noch eine Rolle). Auf der anderen Seite hat der Film aber auch Fans, die ihr Lob dann aber auch gleich wieder hymnisch übertreiben (wie etwa der hier).