Star Trek: Picard (6. Episode)

Als Picard endlich auf dem stillgelegten Borg-Kubus der Romulaner ankommt, wird es für Soji bereits gefährlich. Zunächst war Narek irritiert, als er erfuhr, dass Soji träumt, denn wozu sollten Träume für einen Androiden gut sein. Ein regelmäßig wiederkehrender Alptraum Sojis belehrt ihn eines Besseren und er geht ihren Träumen im Detail nach. Und wird dabei fündig: Er findet – in Bildern, ohne konkreten Namen, geschweige denn Koordinaten – die Heimatwelt Sojis.

Nachdem er damit sozusagen ans Ziel gelangt ist – die Heimatwelt Sojis ermöglicht es den Romulanern, die jede Form künstlichen Lebens verabscheuen, die „Quelle“ zu vernichten, aus der alle neuen Androiden des Typs Soji stammen – geht er daran, Soji (durch einen Giftgasangriff) zu töten. Aktiviert dadurch aber deren Androidennatur. Sie kämpft sich, mithilfe Hughs, der das später mit seinem Leben bezahlen wird, einen Weg durch den Kubus, trifft dabei auf Picard, der, in die Enge getrieben, keine andere Möglichkeit mehr sieht, als mit einer Borg-Beam-Technik vom Kubus zu fliehen. Als Ziel fällt ihm auf die Schnelle nur Nepenthe ein, die Welt, auf der sich William Riker, ehemals Erster Offizier auf der Enterprise, mit seiner Frau Deanni Troi, ehemals Counselor auf der Enterprise, nach der Geburt ihres ersten Kindes zurückgezogen hatten.

Und der Dialog der Woche fasst zusammen, was das „klassische“ Star Trek (womit hier TNG gemeint ist) vom neuen Star Trek unterscheidet (und womit so mancher „altgediente“ Fan seine Schwierigkeiten hat …):

Jurati: „Wieso gefällt’s Ihnen hier draußen?“

Rios: „Im Weltraum …?“

Jurati: „Es ist kalt – und verlassen. – Und es will einen töten.

*

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Star Trek: Picard (3. Episode)

In dieser Episode wird nichts wirklich Neues zu dem, was wir bereits wissen, hinzugefügt. Vielmehr wird Vieles wiederholt, ein paar Zusammenhänge deutlicher gemacht und im Übrigen viel zitiert, vor allem TNG, der bis heute besten Serie im Star-Trek-Universum.

Wir erfahren,

  • den Zweck des „toten“ Borg-Kubus, der sich in der Hand der Romulaner befindet: Im Rahmen des Rückgewinnungsprojektes versuchen die Romulaner, ehemals von den Borg assimilierte Individuen „zurückzugewinnen“;
  • dass Dahj, die Androidin, die nicht weiß, dass sie eine ist, an diesem Projekt mitarbeitet;
  • dass eine Geheimorganisation der Romulaner hinter Dahj her ist und sie eliminieren will;
  • dass es einen „hochrangigen Amtsträger der Sternenflotte“ gibt, der den Angriff der Androiden auf die föderale Schiffswerft des Mars zugelassen hat;
  • dass sich Bruce Maddox, der im Jahr 2365 (TNG S02E09) Data auseinander nehmen wollte, um ihn zu analysieren, auf Freecloud befindet.

Das Wichtigste dieser Episode allerdings ist: Picard hat endlich wieder ein Raumschiff zur Verfügung. Aber bevor man in Richtung Freecloud aufbricht, folgt noch eine Art Verbeugung vor Picard; aus dem Munde eines MHN (die zu Zeiten der Voyager eingeführt wurden) erfahren wir, mit wem wir es zu tun  haben: „Jean-Luc Picard – Ansprechpartner für das Q-Kontinuum, Überwacher der Nachfolge im Klingonischen Reich, Retter der Erde vor der Borg-Invasion, Captain der Enterprise D und E; der Mann hat sogar zusammen mit dem großen Spock gedient.“

Und sozusagen standardgemäß startet Picard das Schiff mit der aus TNG vertrauten Geste: Mit der geöffneten Hand weist er sozusagen den Weg zur neuen Welt, diesmal Freecloud, und befiehlt: „Energie!“ Begleitend hört man dazu das TNG-Theme. Es kann also – nach drei Episoden, in denen sich die Serie die Zeit nahm, das Setting aufzubauen – endlich losgehen!

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Star Trek: Picard (2. Episode)

Im Laufe der Episode erfahren wir, dass der Borg-Kubus (der in der letzten Szene der 1. Episode auftaucht) ein Untersuchungsprojekt der Romulaner darstellt; sie nennen es „Das Artefakt“. Es hat keine Verbindung zu den Borg; es ist tot; für die Borg ist es nichts anderes als für Menschen ein Friedhof. Dass das nicht unbedingt zur Beruhigung taugt, zeigt der Beginn der 2. Episode von Star Trek: Picard.

Rückblende ins Jahr 2385. Standort: Mars, Utopia-Planitia-Flottenwerft. Wir sind dabei, wie die Androiden die Flottenwerft zerstören (was in der 1. Episode nur erwähnt worden ist). Das Beunruhigende offenbart sich in Minute 4: Es ist ein auf heutige Filmtechnik upgegradetes Zitat einer entsprechenden Szene aus TNG (S02E16; Minute 22). Vergleicht man die beiden Szenen, weiß man, mit wem die abtrünnigen Androiden da im Bunde stehen …

Natürlich nur, wenn man mit TNG vertraut ist, denn die Episode erzählt „im Vordergrund“ eine andere Geschichte: Picard hat sich ganz und gar der Sache der Androiden verschrieben. Er beabsichtigt, Bruce Maddox ausfindig zu machen, den Wissenschaftler, der – so seine Überzeugung – hinter der Konstruktion von Dahj steht, die (zusammen mit ihrer Schwester Soji) eine neue Art von Androiden darstellt; sie beruht auf der Gehirnmatrix von Data. Dazu braucht Picard jedoch ein Raumschiff.

Er sucht also das Sternenflottenkommando auf, um darum zu ersuchen, ihm ein „kleines, warpfähiges Aufklärungsschiff“ zur Verfügung zu stellen. Leider hat er nicht viel mehr anzubieten, als eben seine Überzeugung, Maddox schlachte gewissermaßen Data aus. Seine Bemerkung, dass die Romulaner „irgendwie“ darin verwickelt seien, macht ihn nicht glaubwürdiger. Kurzum: Das Sternenflottenkommando, in persona eines Admirals, die ihm gegenüber sitzt, lehnt seinen Antrag ab. Es fallen dabei sehr harte Worte. Sie, der Admiral, wirft ihm Realitätsferne vor, spricht von einer „grenzenlosen Anmaßung“, überhaupt so einen Antrag zu stellen, und bezeichnet ihn, bevor sie ihn quasi rauswirft, als „einstmals großen Mann“, der derzeit leider nur noch von „Geltungssucht erfüllt ist“.

Vor der Auseinandersetzung: Zwei Admiräle sitzen sich gegenüber …

Im Kern geht es in der Auseinandersetzung um Moral versus (Real-)Politik. Picard steht auf Seiten der Moral: Es war ein Verbrechen der Föderation, die Romulaner in ihrer schwersten Stunde im Stich zu lassen. Wir alle – Alt- wie Neu-Trekkies – sind (natürlich) auf seiner Seite. Ohne Wenn und Aber; die Ideale der Föderation sind unantastbar, denn „die Föderation entscheidet nicht darüber, ob eine Spezies lebt oder stirbt“ (Picard, Minute 23). Dagegen kann sie, der Admiral, kaum ankommen, steht von Anfang an (gegen uns) auf verlorenem Posten.

Obgleich sie durchaus eine Menge ins Feld zu führen hat: „Die Romulaner waren unsere Feinde, und wir haben ihnen geholfen, so lange wir konnten. Aber selbst vor dem Angriff der Androiden auf dem Mars, haben 14 Spezies in der Föderation gesagt, überlasst die Romulaner sich selbst oder wir sind draußen. Wir mussten uns entscheiden: Die Zukunft der Föderation riskieren oder die Romulaner zurückweisen.“ Es folgt Picards Einwand, dass die Föderation nicht über Leben oder Tod von Spezies zu entscheiden habe. „Doch“, erwidert darauf der Admiral knallhart, „das tun wir: Das müssen wir sogar tun. Tausende anderer Spezies sind darauf angewiesen, das wir für Einheit sorgen, für Zusammenhalt. Damals hatten wir nicht genügend Schiffe – wir mussten eine Wahl treffen.

Picard kann das (wie vermutlich die meisten von uns) nicht akzeptieren. Es folgen noch ein paar sehr hässliche Worte & Ausdrücke, auf beiden Seiten, die schließlich in seinem Rausschmiss kulminieren.

Die Kernszene der Episode – die Auseinandersetzung zwischen Picard und dem Admiral der Föderation (Minute 21:40 bis 24:20) – scheint Picard in Allem Recht zu geben. Der Admiral kommt kalt, berechnend, karrieristisch (und so weiter) rüber; er spricht kalt, rational, imperialistisch (und so weiter). Während Picard, der nur wenig älter ist als sein Gegenüber, für eine gute Sache (die der Androiden) brennt, verteidigt der Admiral – wie langweilig! – nur die Position der Herrschenden.

Aber bevor es zur Begegnung zwischen Picard und dem Admiral der Föderation kommt, greift die Episode zu sehr feiner Ironie, die den moralischen Sieg, den Picard in Kürze erringen wird, ein wenig relativiert. Denn die Anwürfe des Admirals, Picard sei anmaßend und so weiter, gewinnen durch die kleine Szene an Glaubwürdigkeit (und damit auch die Position, die die Föderation vertritt).

Picard betritt das Gebäude der Sternenflotte und tritt an den Empfang. Ohne seinen Namen zu nennen, sagt er, dass er einen Termin mit dem Sternenflottenkommando habe. In Benehmen und Miene drückt sich aus, dass man ihn zu kennen und sofort vorzulassen habe. Doch der junge Schnösel hinter dem Tresen erkennt ihn nicht. Picard muss nicht nur seinen Namen nennen, sondern ihn auch noch buchstabieren, um einen Besucherausweise zu erhalten. Ein wenig pikiert macht er sich auf den Weg ins Büro des Admirals.

Fazit: Nach wie vor gilt: Das könnte die beste Star-Trek-Serie werden, die wir je gesehen haben.

Und einen zum Schluss: Als Picard bei der Begegnung mit einer Wissenschaftlerin sieht, wie diese das Buch The Complete Robot von Isaac Asimov zuschlägt, bemerkt er: „Ah, Sie haben einen Sinn für Klassiker.“ Und beinahe entschuldigend erklärt er: „Ich habe mich nie wirklich für Science Fiction interessiert. Irgendwie“, fügt er hinzu, und deutet dabei den blasierten Intellektuellen an, „finde ich keinen Bezug dazu.“

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Ex Machina

In Form eines Kammerspiels – drei Personen in einem von der Außenwelt isolierten Haus – kommt der Film Ex Machina (GB 2015) auf die Wurzeln der Robot-Frage zurück: Was macht den Menschen aus? Worin unterscheidet er sich von einer intelligenten Maschine? Gibt es ihn überhaupt: den Unterschied zwischen KI und Mensch? Alex Garland, Schriftsteller (The Beach) und Drehbuchautor (28 Days Later), betritt mit seiner ersten Regiearbeit also philosophisches Minenfeld, auf dem außerdem bereits zahlreiche Auseinandersetzungen literarischer und filmischer Art stattgefunden haben.

Anders als die meisten seiner Vorgänger, die zwar Zweifel säen, sich am Ende aber meist auf die Seite des Menschlichen schlagen (am auffallendsten bei Terminator, der Killer-Maschine, die sich für die Menschheit opfert), wird bei Garland schon sehr früh deutlich, dass seine Sympathien der anderen Seite gelten. Und das bringt der Film dann auch konsequent zu Ende.

Caleb, Programmierer bei Bluebook, der weltgrößten Suchmaschine, wird von Nathan, seinem exzentrischen Chef und Multimilliardär, auf das erwähnte Anwesen eingeladen, wo er mit Ava, der Maschine in Menschengestalt, konfrontiert wird. Es geht um einen erweiterten Turing-Test: Caleb soll herausfinden, ob Ava wirkliche Gefühle empfindet oder ob sie diese nur simuliert. Die erste Hälfte des Films widmet sich in zahlreichen Dialogen zwischen Ava und Caleb, Sessions genannt, allein dieser Frage – wobei man hier durchaus ein paar Längen unterstellen könnte. Doch kommt es, wie es kommen soll: Caleb und Ava entwickeln Gefühle füreinander. Als Ava erfährt, dass Nathan beabsichtigt, sie durch ein besseres Modell zu ersetzen, beschließt sie zu fliehen. Caleb erlärt sich bereit, ihr dabei zu helfen.

Doch Caleb ist sich seiner Gefühle keineswegs sicher. Um sich angesichts seiner Zuneigung zu einer Maschine seiner Menschlichkeit zu vergewissern, schlitzt er sich vor dem Spiegel mit einem Messer den Unterarm auf, bis Blut fließt. Hier zitiert der Film am augenfälligsten, denn mit einer analogen Szene beweist der Terminator, dass er kein Mensch, sondern eine Maschine ist.

Doch kurz bevor es zur Flucht kommt, versetzt Nathan Caleb noch einen Tiefschlag: Er eröffnet ihm, dass er die Flucht Avas eingeplant habe. Um nach draußen zu gelangen, „musste sie alles anwenden: Selbstwahrnehmung und Fantasie, Manipulation, Sexualität, Empathie – und das hat sie getan“. Neben dem Zweifel an sich selbst kommt bei Caleb nun auch der Zweifel an Ava hoch: Hat sie die Gefühle für ihn doch nur simuliert, um ans Ziel zu kommen?

Während der Flucht, die die letzten 20 Minuten des Films einnimmt, stellt Ava mehrmals unter Beweis, dass ihre Gefühle für Caleb keineswegs simuliert waren oder sind. Aber Caleb ist unfähig, das zu erkennen, geschweige denn zu akzeptieren. Er bleibt Gefangener seiner menschlichen (und männlichen) Psyche. Und so tritt am Ende als Einzige Ava, die Maschine, den Weg hinaus in die Freiheit an. Caleb bleibt zurück auch als physisch Gefangener in Nathans Anwesen. (Nathan selbst kommt durch die Hand Avas ums Leben.)

Fazit: Es ist der Mensch, der den Turing-Test nicht besteht.