Die Maschine

Das größte und entscheidendste dieser Projekte, das in dieser Zeit zu Ende gebracht wurde, war die Entwicklung der Mondrakete. Sitz der Entwicklungsabteilung war das Marshall Raumflugzentrum (Marshall Space Flight Center = MSFC) in Huntsville, Alabama, Leiter dieses Projekts Wernher von Braun. Das Team, das er um sich versammelt hatte, bestand, was die Führungsmannschaft angeht, zum Großteil aus deutschen Ingenieuren, die ihm aus Peenemünde in die USA gefolgt waren. Das größte Jahres-Budget, über das von Braun verfügte, betrug im Jahre 1965/66 über 1,8 Milliarden Dollar, aber nicht nur in diesem Jahr, sondern über die gesamte Laufzeit Apollos (1961-1972, dem Jahr seines Ausscheidens aus der NASA) hatte er den größten Einzeletat des gesamten Projekts inne.

Am 9. November 1967 fand das Ereignis statt, von dem viele der daran Beteiligten sagen, es sei "gewaltiger und aufregender als der von Apollo 11" gewesen, so Jesco von Puttkamer, der von Wernher von Braun nach Huntsville geholt worden war, um am Apollo-Projekt mitzuarbeiten. An diesem Tag um exakt 7:00 Uhr Ortszeit startete erstmals die "neueste und vollkommenste Schöpfung eines wissenschaftlichen Zeitalters" (Anne Morrow Lindbergh): die Saturn V.

Leermasse 794 Tonnen, Gesamtstartmasse 2.950 Tonnen, Nutzlast zwischen 133 Tonnen (in einen Erdorbit) und 50 Tonnen (in einen Mondorbit), Gesamthöhe (mit Apollo als Nutzlast und Rettungssystem) 111 Meter. Allein die Turbine, die die Treibstoffpumpen bedient, die die Brennkammer, in der ein Druck wie in 6000 Metern Wassertiefe herrscht, mit Flüssig-Sauerstoff und -Wasserstoff versorgt, bringt es auf 55.000 PS, was in etwa der Leistung eines Ozeandampfers entspricht (alle Maschinen der Titanic etwa brachten "nur" 51.000 PS zustande).

Die Rakete besteht aus drei Stufen und dem Raumschiffteil (CSM), das wiederum aus dem Service-Modul (SM) und dem Command-Modul (CM, d. h. der Apollo-Kapsel) besteht. Die erste Stufe, S-IC, ist 42 Meter lang, hat zehn Meter im Durchmesser und verfügt über fünf F1-Triebwerke; die zweite Stufe (S II) ist 25 Meter lang, misst auch zehn Meter im Durchmesser und hat fünf J2-Triebwerke; die dritte Stufe (S-IVB) ist 18 Meter lang, der Durchmesser verjüngt sich auf 6,70 Meter und im Unterschied zu den anderen Stufen verfügt sie über nur ein Triebwerk, das allerdings zweimal zünden muss: das erste Mal, um die Rakete in den Erdorbit zu bringen, das zweite Mal, um das Raumschiff aus der Erdanziehung Richtung Mond zu schießen.

Der Start am 9. November 1967, als Apollo 4 in die Annalen der NASA eingegangen, ist ein Bilderbuchstart. 135,5 Sekunden nach Brennbeginn schaltet das innere der fünf F1-Triebwerke der ersten Stufe ab; 18,3 Sekunden später die vier äußeren. Die Rakete hat damit eine Geschwindigkeit von über 9.600 km/h erreicht. Nach Brennschluss der dritten Stufe hatte sie und ihre Nutzlast, eine unbemannte Apollokapsel, eine Höhe von 190 Kilometern und eine Geschwindigkeit von etwas mehr als 28.000 km/h erreicht, die Geschwindigkeit, die man für einen Erdorbit benötigt. Nach zwei Umrundungen der Erde wurde das J2-Triebwerk der dritten Stufe ein weiteres Mal gezündet und die Apollokapsel samt Servicemodul Richtung Mond geschossen. In einer Entfernung von 18.240 Kilometer wurde das CSM gedreht und das Triebwerk zum dritten Mal, diesmal in Richtung Erde, gezündet. Mit einer Geschwindigkeit von 40.000 km/h trat die Apollokapsel in die Erdatmosphäre ein, wobei der Hitzeschild eine Temperatur von über 2500 Grad entwickelte. Sie landete etwa 16 Kilometer vom errechneten Punkt entfernt im Atlantischen Ozean.

Fortsetzung:
Apollo 8 - erster Aufbruch zu einer anderen Welt