Erster Aufbruch nach einer anderen Welt

Nach zwei weiteren unbemannten Flügen – Apollo 5 testete das erste LEM in der Erdumlaufbahn und Apollo 6 war der zweite Start der Saturn V – startete am 11. Oktober 1968 mit Apollo 7 die erste bemannte Apollo-Mission. Die Astronauten Walter Schirra, Don Eisele und Walter Cunningham wurden von einer Saturn IB in einen Erdorbit geschossen, wo sie innerhalb von elf Tagen – das ist die maximale Dauer eines Apolloflugs – ein dickt gepacktes Programm zu absolvieren hatten, darunter auch die erste Live-Übertragung aus einem fliegenden Raumschiff. Trotz der Schwierigkeiten, die die Crew zu überwinden hatte – so grassierte die ersten Tage in der Apollokapsel die Grippe –, wurde die erste bemannte Apollomission zu einem vollen Erfolg.

Die nächste Mission, Apollo 8, war bereits in Planung und sollte, ebenfalls in einer Erdumlaufbahn, der Erprobung des LEM, des Lunar Excursion Moduls, dienen, das von Apollo 7 nicht mitgeführt worden war. Auch die Besatzung stand bereits fest: Frank Borman, Kommandant, William Anders, LEM-Pilot, sowie Jim Lovell, CSM-Pilot. Doch das dritte gebaute LEM, das erste, das bemannt im All zum Einsatz kommen sollte, wies so viele Mängel auf, dass es zum ebenfalls bereits festgelegten Starttermin am 21. Dezember unmöglich einsatzbereit gemacht werden konnte. Man fragte sich, ob es sinnvoll sei, die Mission als bloße Wiederholung von Apollo 7 zu starten. Zur gleichen Zeit tauchten Gerüchte auf, wonach die Russen kurz davor stünden, ebenfalls ein Raumschiff Richtung Mond zu schicken. Nach reiflicher Überlegung entschloss man sich daher, Apollo 8 auf eine Mondumrundung zu schicken.

Nur die Saturn V hat genug Power, um den Mond zu erreichen. Man hatte also gar keine andere Wahl, als der Rakete bereits beim dritten Flug Menschen anzuvertrauen. Pünktlich um 7.51 Uhr Ortszeit hob die Saturn V nach neun Sekunden Brenndauer der fünf F1-Triebwerke vom Startkomplex 39, Rampe A, des Kennedy Space Centers ab – zum ersten wirklichen Raumflug, den die menschliche Spezies unternimmt: Mit der Mondumrundung von Apollo 8 lassen erstmals drei Menschen den Anziehungsbereich der Erde hinter sich und gelangen in den eines anderen. Außerdem sehen zum ersten Mal menschliche Augen die Rückseite des Mondes und den eigenen Heimatplaneten von weit draußen im Weltall. Zu dieser Zeit kam erstmals der Gedanke auf, dass der Mensch die Erde, seinen Heimatplaneten, erst verlassen musste, um ihren "unschätzbaren Wert als lebenerhaltenden Planeten zu erkennen" (Anne Morrow Lindbergh). Oder wie Kommandant Jim Lovell während des Flugs sagte: "Die große Einsamkeit hier oben ist ehrfurchtgebietend. Sie macht einem klar, was man an der Erde hat, die mir vorkommt wie eine großartige Oase in der Leere des Alls." Womöglich verliehen diese Eindrücke der ökologischen Bewegung einen größeren Schub, als man heutzutage, in einer Zeit, in der man Supertechnik a là Apollo im Allgemeinen skeptisch gegenübersteht, gemeinhin wahrhaben will.

Nach der erfolgreichen Umrundung des Mondes - das Raumschiff dreht insgesamt zehn Runden um unseren Trabanten - und der ebenso erfolgreichen Wasserung im Pazifik ging das "Projekt bemannte Mondlandung" in die letzte Runde. Mit Apollo 9 wurde (im März 1969) noch einmal das gesamte technische Equipment - einschließlich LEM - in der Erdumlaufbahn getestet; außerdem startete die Saturn V zum zweitenmal bemannt ins All. Mit Apollo 10 folgte im April 1969 dann die Generalprobe: Bis auf die Mondlandung selbst wurde der gesamte Flug absolviert; Eugene Cernan, der LEM-Pilot, näherte sich bei der simulierten Landung der Mondoberfläche bis auf sieben Kilometer.

Fortsetzung:
Die Mondlandung