Constellation = Sternbild, von lateinisch con = mit/zusammen und stella = Stern. Constellation steht aber auch für eine "herausragende Verbindung", eine "großartige Vereinigung", nämlich von Einzelteilen zu einem größeren, glanzvolleren Ganzen. - Darüber hinaus ist Constellation der Name eines legendären amerikanischen Flugzeugs, das für die zivile Luftfahrt das war, was das Modell T von Ford für die Automobilindustrie darstellte: Mit der Serienfertigung des Modells T begann die allgemeine Motorisierung, mit der Constellation der Flugverkehr alltäglich zu werden.

Am Ziel: Die Mondlandung

Und am 16. Juli 1969 war es so weit: Die Saturn V stand vollgetankt an der Rampe 39 A startbereit; obendrauf saß die Apollokapsel mit den drei Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins, die in wenigen Tagen als erste Menschen auf dem Mond landen sollten. Der Start erfolgte pünktlich - um 9.32 Uhr Ortszeit - und verlief problemlos wie bei allen anderen Saturn-Raketen vorher. Auch der Hinflug zum Mond lief ab wie ein Uhrwerk. Zu Schwierigkeiten kam es allerdings beim Landeanflug des LEM auf dem Mond, als der Bordcomputer (er verfügte über einen Hauptspeicher von zwei Kilobyte!) die vielen Daten nicht mehr verarbeiten konnte und Alarm auslöste. Eine Landung schien unmöglich. Aber Armstrong und Aldrin erkannten, dass es sich um eine Fehlfunktion des Computers handelte; im LEM war alles in Ordnung außer dem Bordcomputer. Sie schalteten auf Handsteuerung um und setzten die Mondfähre ohne Rechnerunterstützung in den pulverigen Staub des Mare Tranquillitatis.

Die Amerikaner hatten es also geschafft: Sie waren 1. vor den Russen und 2. noch in den 1960er Jahren bemannt auf dem Mond gelandet, hatten also sowohl Wernher von Brauns geäußerte Befürchtung abgewehrt ("Wollen wir warten, bis auf dem Mond die rote Fahne hochgeht?") als auch Kennedys Forderung erfüllt, den Mond zu erreichen "before this decade is out". Diese Uhrwerkpräzision führte bereits beim zweiten bemannten Mondlandeunternehmen, Apollo 12 (November 1969), zu Ermüdungserscheinungen des Fernsehpublikums, weil die NASA-Perfektion die Mondlandung "so spannend gemacht hat wie eine Busfahrt nach Pittsburgh", wie es im Film Apollo 13 heißt.

Das hatte dazu geführt, dass der amerikanische Kongress bereits Anfang Januar 1970 beschloss, das auf zwanzig Missionen angelegte Apollo-Programm um eine Mission zu kürzen; Apollo 20 wurde ersatzlos gestrichen. Das Publikum - und mit ihm die Politik - fragte sich, weshalb man noch ein paar Mal Richtung Mond aufbrechen sollte, wo man die Russen im Wettlauf zum Mond mit der Landung von Apollo 11 bereits geschlagen hatte. Die Abwendung einer Katastrophe beim Flug von Apollo 13 führte im April 1970 wieder zu einem Ansteigen des Interesses am Apollo-Programm, das aber auch sehr schnell wieder abflaute. Im September 1970 wurden zwei weitere Apollo-Missionen gestrichen. Und nach Apollo 17 (im Dezember 1972) wurde das Unternehmen bemannte Mondlandung fast unbemerkt von der Öffentlichkeit beendet.

1973 begannen dann die Massenentlassungen der NASA. Hunderttausende von Ingenieuren und sonstigen Mitarbeitern landeten auf der Straße und hatten sich einen neuen Job zu suchen. Die Auswirkungen - es handelte sich um eine der größten Entlassungswellen in der Geschichte des Industriezeitalters - blieben nur deshalb relativ unbemerkt - fast so unbemerkt wie die Beendigung des Apollo-Unternehmens selbst -, weil im gleichen Jahr 1. die arabischen Ölländer beschlossen, die Erdölförderung zu drosseln, 2. der Verfall des US-Dollars begann, 3. der Watergate-Skandal die USA innenpolitisch lahmlegte und 4. der von Nixon ausgehandelte Waffenstillstand in Vietnam zunächst keinerlei Wirkung zeigte (die Kämpfe gingen, wie man so schön sagt, auf beiden Seiten fast unvermindert weiter).

Bereits ein Jahr zuvor hatte Wernher von Braun die NASA verlassen und wechselte in die Privatwirtschaft. Es war kein Abschied in "gegenseitigem Einvernehmen". Von Braun fühlte sich, nachdem er nach Washington in die Verwaltung der NASA "befördert" worden war, isoliert. Während er über weitergehende bemannte Missionen nachdachte - eine Landung auf dem Mars sollte schon in den 1980er Jahren folgen -, strich die NASA aus Geldmangel ihr Programm immer weiter zusammen. Das Shuttle wurde so weit abgespeckt, dass von dem ursprünglichen Konzept, entwickelt nach dem Vorbild der Saturn V, kaum noch etwas übrig blieb. Schon vor seinem Tod 1977 war die amerikanische Raketenentwicklung am Ende angelangt; das Shuttle, Jungfernflug 1981, hatte mit den ursprünglichen Entwürfen als vollständig wiederverwertbare Einheit nichts mehr zu tun.

Und 1976 wurde mit Jimmy Carter erstmalig jemand zum US-Präsidenten gewählt, der der Raumfahrt ablehnend gegenüberstand; ihm folgte 1980 mit Ronald Reagan ebenfalls ein erklärter Gegner der (zivilen) Raumfahrt. Am Ende von Reagans Amtszeit (Januar 1989) waren die USA zur Nation mit der technisch am besten ausgestatteten Armee geworden, aber von der einstigen Größe der amerikanischen Raumfahrt war nicht mehr viel übrig; mehrmals musste die ESA aushelfen, als es galt, defekte Satelliten durch neue zu ersetzen. Mit dem Shuttle konnten zwar bemannte Missionen durchgeführt werden, doch reichte die Power des Shuttles nur für Flüge in den Erdorbit. Exkursionen zu den benachbarten Planeten fanden nur noch unbemannt statt. Die hochfliegenden Pläne vom Menschen, der nach der Mondlandung das Tor zu den Sternen oder zumindest zu den Planeten des Sonnensystems weiter öffnen würde, wurden zu den Akten gelegt. Wo sie verstaubten, bis im Januar 2004 der damalige amerikanische Präsident George W. Bush ankündigte, dass Amerika wieder bemannt zum Mond und von dort weiter zum Mars will.

Dieses Programm - Constellation genannt - ist bereits fester Bestandteil der NASA-Planung; die ersten Vorbereitungstests fanden Ende 2008 statt. Die erste Trägerrakete soll 2012 ihren Jungfernflug absolvieren. Für 2019 ist die erste bemannte Mondlandung geplant - was nach den Apollo-Missionen dann insgesamt die siebte wäre - und für 2037 ist der Mars anvisiert. Der Traum Wernher von Brauns könnte also doch noch Wirklichkeit werden - wenn auch mit ein paar Jahrzehnten Verspätung ...

Fortsetzung:
Der Nutzen des Apollo-Programms