Nixon hatte sich per Einbruch in ein Hotel namens Watergate Informationen über seine Wahlkampfgegner verschafft, das aber jahrelang mit teilweise dreisten Lügen bestritten.
Das war am 3. Oktober 1942. An diesem Tag wurde, so General Walter Dornberger (1895-1980), der Vorgesetzte Wernher von Brauns in Peenemünde, "das Raumschiff geboren".
Moon-Hoax heißt das auf Englisch. Das englische Hoax wird so verwendet wie das deutsche Wort Ente im Sinne einer Zeitungs-Ente. Ein Hoax ist also eine erfundene Geschichte, der eine Menge Leute aufsitzen.

Die Mondverschwörung

Entgegen einem allgemein verbreiteten Vorurteil entstehen Verschwörungstheorien nicht aus der Leichtgläubigkeit und Ahnungslosigkeit von Menschen - dadurch werden sie allenfalls aufrechterhalten, verteidigt, ausgebaut, und gewinnen, im schlimmsten Fall, im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger. Entstehen tun sie aus dem diffusen Gefühl zunächst sehr Weniger, dass da irgendetwas "nicht stimmt", dass es da bespielsweise moralische Widersprüche gibt, die man nicht mehr ignorieren kann. Das Projekt der Mondlandung wurde gestartet und auch abgeschlossen in den 1960er Jahren, ein Jahrzehnt bekanntlich, in dem es weltweit in der Jugend rumorte. In San Francisco entstand die Hippiekultur, die der Technik im Allgemeinen kritisch bis ablehnend gegenüberstand. Als Bob Dylan 1965 seine akustische Gitarre durch die E-Gitarre ersetzte, wurde das toleriert bzw. ist überhaupt nicht als technische Innovation zur Kenntnis genommen worden; als 1968 ausgerechnet die Apollo-8-Mission die Sicht der Menschheit auf ihren Heimatplaneten drastisch veränderte und damit der ökologischen Bewegung Auftrieb verlieh (wenn sie nicht sogar mitbegründete) - dann war das zuviel für die empfindsame Naturseele. Der Boden, auf dem wenig später die Mondverschwörungstheorie entstand, war zumindest vorbereitet.

Natürlich musste noch sehr viel mehr "zusammenkommen". Die reale Erfolglosigkeit der 68er-Träume; das Versinken der Hippiekultur im Krieg der entstehenden Drogenkartelle; der unehrenhafte Rückzug der US-Amerikaner aus Vietnam (vorbereitet und durchgeführt von Richard M. Nixon, der ihn zuvor aber auch eskaliert hatte); der Rücktritt desselben Richard M. Nixon als US-Präsident, nachdem er hatte zugeben müssen, gelogen zu haben, was seine Rolle im so genannten Watergate-Skandal betraf.

Und auch die Weltraumfahrt selbst bereitete den Boden für die Leugnung ihres größten Erfolgs. Unbestreitbar ist die Entwicklung der Saturn-V eine der größten Leistungen, die Ingenieure bis heute zuwege gebracht haben. Aber nie - weder in den USA noch in Deutschland (offenbar kein Zufall, dass gerade in diesen beiden Ländern die Mondverschwörungstheorie die meisten Anhänger hat) - wurde offen darüber gesprochen, woher das Knowhow zu ihrer Konstruktion ursprünglich kam: Vom Bau der V2, der ersten Großrakete, die ins All vorstieß, die aber nicht deswegen Berühmtheit erlangte, sondern wegen der Angriffe, die mit ihr auf europäische Großstädte geflogen wurden. Wernher von Braun, der Chefkonstrukteur der Saturn V, war auch Chefkonstrukteur in Peenemünde, wo die V2 entstand. Er wurde 1955 in die USA eingebürgert, ohne dass seine Vergangenheit auch nur zur Sprache kam. Fast alle führenden Ingenieure, die die Entwicklung der Saturn-V für die NASA ermöglichten, waren auch in Peenemünde unter von Brauns Führung an der Konstruktion der V2 beteiligt.

Der Krieg spielte in der amerikanischen Weltraumfahrt der 1960er Jahre aber nicht nur in der Vergangenheit einiger verantwortlicher ausländischer Ingenieure eine Rolle. Er war allgegenwärtig in den Astronauten der Apollo-Mission. Fast alle von ihnen waren ausgebildete Kampfpiloten und viele von ihnen flogen Angriffe im Korea- und/oder Vietnamkrieg. Keiner von ihnen hat das je hinterfragt; und amerikanische Medien feierten die Kriegseinsätze ihrer "Jungs" in Südostasien genauso wie die Einsätze ihrer Astronauten im All. Die Diskussion all dieser unerfreulichen Dinge überließ man völlig den Gegnern oder Skeptikern des Apollo-Unternehmens, offziell zur Sprache kam es nie, auch wenn die NASA sich der Problematik offenbar bewusst war, denn bei der Auswahl von Neil Armstrong zum ersten Menschen, der den Mondboden betritt, soll auch der Umstand eine Rolle gespielt haben, dass Armstrong zu diesem Zeitpunkt ein Zivilist war - als einziger im gesamten Astronauten-Corps.

Alles das sind eine Menge durchaus guter Gründe, wie eine Theorie entstehen konnte, die den größten technischen Erfolg, den die Menschheit im Verlaufe ihrer Geschichte erreicht hat, nicht nur kritisch hinterfragt, sondern ihn gleich ganz und gar zu leugnen versucht.

Wie gesagt: Für die Entstehung sprechen gute Gründe. Aber bei den Verschwörungstheoretikern, die ab 1976 auf den Plan traten und ihr Unwohlsein an dem Projekt der Mondlandung formulierten, spielten diese Gründe eine ebenso untergeordnete Rolle wie bei den Mondlandern der NASA. Wenn angesprochen, dann wurden sie auch gleich mit derart falschen bis unsinnigen Pseudofakten angereichert, dass am Ende nichts mehr von ihnen übrig blieb. Und die so genannten "Beweise", die für die Vortäuschung einer Mondlandung bis heute angeführt werden, belegen vor allem, dass, wenn schon nicht für die Entstehung, so um so mehr für die Verbreitung von Verschwörungstheorien sehr wohl die Leichtgläubigkeit und Ahnungslosigkeit von Menschen eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen.

Alle diese "Beweise" - man kann die Anführungsstriche gar nicht oft genug setzen - belegen vor allem eins: Dass bei all jenen, die an ihre Evidenz glauben, auch schon die allereinfachsten Grundlagen einer technischen Kultur, in der sie alle leben, nicht angekommen oder im Laufe der Schul- und Ausbildungszeit wieder verloren gegangen sind. Auch die dämlichsten "Argumente" werden immer wieder angeführt, wie oft man sie auch widerlegt (oder wie sehr sie schon dem gesunden Menschenverstand widersprechen). Im Einzelnen online (auf Deutsch) nachzulesen unter:

www.clavius.info (deutsche Übersetzung von www.clavius.org)
www.apollo-projekt.de
www.mondlandung.pcdl.de
de.wikipedia.org/wiki/Mondverschw%C3%B6rung

Auch Edwin "Buzz" Aldrin, Apollo-11-Crewmitglied und der zweite Mensch auf dem Mond, hat angesichts dieses gesammelten Schwachsinns einmal die Nerven verloren: Ein Anhänger der Mondverschwörung hielt ihn 2003 auf offener Straße an, beschimpfte ihn als Lügner und Feigling und verlangte von ihm, dass er sofort und an Ort und Stelle auf die Bibel schwöre, wirklich auf dem Mond gewesen zu sein. Aldrin, immerhin schon 72 Jahre alt, hatte es satt, wieder einmal Argumente durchzukauen und verpasste dem Pöbler kurzerhand einen Kinnhaken. Bestimmt hat den Mondverschwörer dieses "umwerfende Argument" (Ulrich Walter, Astronaut der ESA) nicht überzeugt, aber auch eine Diskussion hätte das nicht geschafft. Auf Mondverschwörungstheoretiker ist ein Kinnhaken genauso verschwendet wie ein ganzes Arsenal von Argumenten. "Wir leben in einer Gesellschaft", so das Fazit von Tom Hanks, der im Film Apollo 13 den Kommandanten Jim Lovell spielt, "in der es kein Gesetz verbietet, mit der Verbreitung von Blödsinn Geld zu verdienen."

Allerdings, und das ist sozusagen die schlechte Nachricht: Hätte es, als der Film 1995 in die Kinos kam, noch keine Mond-Verschwörung gegeben - dieser Film (mehr als das Buch, auf dem er basiert) lässt kaum eine Gelegenheit aus, auch nachträglich noch genügend Munition zu liefern für die Entstehung einer solchen: Die Astronauten leben in Eheidyllen, wie sie das England Viktorias liebte. Papa ist ein properer Militärfuzzi, der seinem Sohn einen noch kürzeren Haarschnitt verpassen möchte. Der einzige Junggeselle im Astronauten-Corps wird ständig als potenzielle Gefahrenquelle beschworen.

Zeitkritik gibt es exakt zweimal: Einmal wird, als Off-Stimme in einem laufenden Fernseher, die Käfighaltung von Tieren erwähnt, dazu sieht man einen gequälten Schimpansen. Davor hat man, im selben Fernseher, eine Szene aus Vietnam gesehen, der dazugehörende Off-Kommentar bleibt aber weitgehend unverständlich, da er von einer belanglosen Phrase eines Pflegers – die Szene spielt in einem Altenheim – überdeckt wird. (Die deutsche Synchronisation, im Übrigen nahe an der Perfektion, ist gleich konsequent und verkürzt den Kommentar auf "wurden beschuldigt".)

Kurzum: Auch die Verbreitung gewisser Hollywood-Ideologien steht nicht unter Strafe ...

Aber der Film vermag auch zu überzeugen. So spürt man die Faszination Weltraum in jeder Szene, und das Vermächtnis Apollos wird nie vergessen: der grandiose Aufbruch des Menschen in den Weltraum.

Der in Peenemünde begann, in Los Alamos, New Mexico, fortgesetzt, und in Cape Kennedy, Florida, vollendet wurde.

Mit Peenemünde (dem Bau der ersten Großrakete) und Los Alamos (dem Bau der ersten Atombombe) ließ die Menschheit das technische Zeitalter hinter sich und sprang in das Zeitalter des Hightech. Zweifellos kein sehr rühmlicher Beginn einer neuen Ära. Die Nation, die in den 1930er Jahren zu einem der technologisch führenden Länder der Welt aufgestiegen war - die deutsche Industrie war Anfang der 1930er Jahre trotz Weltwirtschaftskrise hinter den USA die zweitgrößte der Welt -, konnte wie so viele Nationen und Kulturen vor und nach ihr mit diesem technischen Vorsprung nichts anderes anfangen als einen Krieg. Andere Nationen schlossen sich zusammen, um die deutsche Kriegsmaschinerie mit noch mehr Technik aufzuhalten. Am Ende war nicht nur ein Kontinent verwüstet und zwei weitere schwer in Mitleidenschaft gezogen - es gab viele Ingenieure und Wissenschaftler, so viele, wie noch in keiner Kultur zuvor, die keine Aufgabe hatten.

Zwischen 400.000 und 500.000 davon organisierten sich und setzten sich nicht nur das schwierigste und teuerste, sondern auch das ehrgeizigste Ziel, das sich jemals irgendwo jemand gesetzt hatte: Einen anderen Himmelskörper zu betreten. Es dauerte zehn Jahre, bis dieses Ziel erreicht war. Und seither leben wir in einer Welt, in der der Mensch den Mond betreten hat ...

So wurde auf Cape Kennedy aus einem Gott, der die Menschen einst mit Pfeil und Bogen quälte, ein Gott, der den Menschen das Tor zu den Sternen öffnete. Nicht verdammen oder gar verleugnen sollte man das Apollo-Projekt - man sollte es feiern. Als größten Triumph der Technik. Aber mit Apollo setzte sich die Menschheit nicht nur technologisch ein Denkmal: Sie bewies damit auch ihre Fähigkeit– wofür es nicht viele Beispiele in ihrer Geschichte gibt –, aus einem schlechten, d. h. kriegerischen Anfang ein gutes Ende zu machen.

Ende

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