Zero Gravity

The Last Push (USA 2013) – der deutsche Titel Zero Gravity ist wohl der Versuch, sich an den Erfolg von Gravity zu hängen –, schickt eine weitere bemannte Mission zum Jupitermond Europa. Diesmal nennt sie sich Life One, ein privat finanziertes Raumschiff mit zwei Mann Besatzung. Losgeschickt wurde es, um das Leben auf Europa, das eine NASA-Sonde auf Fotos festgehalten hat, vor Ort näher zu untersuchen. Auf dem gezeigten Foto sind schemenhaft zwei riesige Wale unter dem dicken Eispanzer Europas zu sehen. Laut Off-Stimme gaben diese „geisterhaften Bilder der Menschheit die Gewissheit, dass die Entstehung von Leben, wie wir es kennen, nicht auf die Erde beschränkt ist“. Life One wird also losgeschickt, um „zum ersten Mal seit den 1970er Jahren“ wieder „eine entfernte Welt zu betreten“.

Um auf diese Welt zu gelangen, muss Life One einen Umweg über die Venus (also in die entgegengesetzte Richtung) in Kauf nehmen: Beim Umfliegen des Planeten holt das Raumschiff Schwung und kann so energiesparend ins äußere Sonnensystem gelangen (was man ein Flyby-Manöver nennt). Doch kurz nach dem Flyby (nach 10 Minuten Filmzeit; Life One befindet sich auf dem Weg Richtung Erde, wo ein neuerliches Flyby durchgeführt werden soll), kommt es zu einer Kollision mit einem Meteoriten, bei dem (natürlich) einer der beiden Astronauten ums Leben kommt und das Schiff manövrierunfähig geschlagen wird. Im Grunde genommen ist das schon die gesamte Handlung des Films; die restlichen 70 Minuten bestehen daraus, wie Mission Control den übrig gebliebenen Astronauten durch emotionale Tiefs und ein paar technische Probleme Richtung Erde lotst.

Das könnte ja durchaus interessant, vielleicht sogar spannend sein. Aber leider würgen die Dialoge jedes Interesse immer wieder ab; sie sind einfach zu schlicht, zu absehbar, zu gewollt pathetisch. Unterboten werden sie allerdings noch von den dazwischen geschnittenen Interviews und Statements von irdischen Beobachtern der Mission (Techniker, Wissenschaftler, Zuschauer): Man hört praktisch nur völlig beliebige Plattheiten, die auch noch ständig wiederholt werden. Drehbuch und Regie (beide Eric Hayden, ein Special-Effects-Mann, der hier seinen ersten Film produzierte) gelingt es zu keinem Zeitpunkt, über ein paar Grundeinfälle hinauszukommen.

Auch die menschliche Neugier wird natürlich, wie schon im Europa Report, gehörig beschworen, vor allem mit nervigen Allerwelts-Phrasen, die jeden Tiefgang konsequent verweigern. Und der Schluss, der die menschliche Suche nach Erkenntnis illustrieren soll – Life One erreicht die Erde, der Astronaut entschließt sich aber eigenmächtig, nicht zu landen, sondern die Reise nach Europa fortzusetzen – verpufft in sülziger Musik und noch mehr Phrasen (da reißt auch T. S. Eliot nichts mehr heraus, der zitiert wird).

Fazit: Optisch macht der Film durchaus Einiges her (mit Ausnahme der Havarieszene, die aussieht, als stamme sie aus den 1970ern), aber dramaturgisch ist er hauptsächlich eine Aneinanderreihung von Durchhängern. Streckenweise ist eine Yoga-Session erheblich stressiger als dieser Film. Und bietet (nicht immer, aber bei regelmäßigem Üben immer öfter) sogar mehr Erkenntnis.

Der Film erschien am 28. März 2014 auf DVD und BD. Auf einen Kinostart wurde verzichtet. Oft wurde der Film nicht rezensiert, aber hier findet sich immerhin eine positive Bewertung (die in fast allem gegenteiliger Ansicht ist als der Alienator und ihn mit 7 von 10 Punkten bewertet).

Pacific Rim

pacific_rim_insert GIF

Nachdem Pacific Rim (USA 2013, Regie: Guillermo del Toro) mit diesem Insert gleich am Anfang die sprachlichen Fronten abgesteckt hat – keine Alltäglichkeit: ein japanisches und ein deutsches Wort, die gleichsam die Hauptrolle in einem US-amerikanischen Actionfilm spielen (bzw. das, was sie benennen) –, geht es noch fulminanter weiter: Es wird der Einsatz eines „Jaegers“ gegen ein Kaiju, ein Monster, gezeigt, der in einer totalen Niederlage, einer bedingungslosen Kapitulation, wenn man so will, endet.

Kaijus sind wolkenkratzergroße Aliens, die allerdings nicht von daher kommen, wo Aliens für gewöhnlich herkommen. Man hat schlicht „in die falsche Richtung“ geschaut, denn die Kaijus kommen nicht aus dem All, sondern „aus den Tiefen des Pazifischen Ozeans, aus einer Spalte zwischen zwei tektonischen Platten: einem Portal zwischen den Dimensionen“. Dieses Portal wird Breach genannt. Das erste Kaiju kam in San Francisco zur Erdoberfläche, und „als Panzer, Kampfjets und Raketen es sechs Tage später und 35 Meilen weiter zur Strecke brachten, lagen drei Städte in Trümmern, zehntausende Leben waren ausgelöscht“. Und dann erfolgte, „nur sechs Monate später“, der Angriff auf Manila; es folgte ein dritter, ein vierter; „und dann wurde uns klar: Es würde nicht aufhören, das war nur der Anfang. Wir brauchten eine neue Waffe …“

Und das sind die Jaeger: Humanoide Roboter, ebenfalls wolkenkratzergroß, die aber über kein eigenes neuronales Zentralorgan (sprich Gehirn) verfügen, sondern von Menschen, die sich in ihrem Brustkorb befinden, gesteuert werden müssen. Ihre schiere Größe und damit verbundene Komplexität erfordert stets zwei Menschen als „Steuerleute“, deren Gehirne zudem zusammengeschaltet werden müssen. Gehirne in diesem Zustand befinden sich im Drift. Zwei Menschen im Drift sind aber wie ein Mensch: Alles, was der eine fühlt und denkt, denkt und fühlt auch der andere.

Genau das wird – beim einleitenden viaskösen Jaeger-Einsatz – Raleigh Becket zum Verhängnis. Mit seinem Zwillingsbruder sitzt er im Jaeger Gypsy Danger, und versucht, einen Kaiju-Angriff zurückzuschlagen. Ohne Erfolg. Sein Bruder wird getötet, ihm mitten im Drift aus dem Gehirn gerissen.

Fünf Jahre später – nachdem auch Lima, Seattle, Wladiwostik verloren gingen – wird das Jaeger-Programm offiziell beerdigt und ersetzt durch den Bau einer gigantischen Mauer (der „Wall of Life“), die den Breach abriegeln soll, damit er nicht mehr als Einbruchstor für die Aliens dienen kann, und Raleigh heuert bei diesem Mauerbau an. Aber das ist natürlich kein Job für Helden (sondern für harte Malocher), weshalb er sich gern von Stacker Pentecost, dem Leiter des einstigen Jaeger-Programms, abwerben lässt. Der reanimiert nämlich die Jaeger, allerdings nicht mehr als militärisch geführte Einheit, weshalb gilt: „Wir sind keine Armee mehr, Mr. Becket. Wir sind der Widerstand.“

Und einen Plan hat er (natürlich) auch: „Wir greifen den Breach an, Mr. Becket. Wir schnallen einen thermonuklearen Sprengkopf von 1200 Kilo auf Strikers Rücken.“ Striker Eureka ist ein Jaeger der 5., der neuesten Generation. Und Becket im alten Gypsy Danger (3. Generation) sowie zwei weitere Jaeger sind quasi als Strikers Schutzwall eingeplant. Alle diese Jaeger sind Restbestände; mehr als vier insgesamt stehen nicht mehr zur Verfügung.

Als Beckets Drift-Partner wird nach langem Gewürge Mako Mori erkoren. Aber stolz darauf, auch wenn das im Film so dargestellt wird, sollte sie – wäre Pacific Rim die wirkliche Welt – nicht sein. Zum einen ist sie (natürlich) das frühkindliche Opfer eines Kaiju-Angriffs und wurde von Stacker Pentecost gerettet, als der noch selbst Jaeger-Pilot war, und später auch adoptiert. Damit wird erklärt – hoch lebe die Film-Psychologie! –, weshalb er sich so lange zierte, ihr einen Jaeger anzuvertrauen. Zum anderen bewährt sie sich in einer (vermeintlich) asiatischen Kampfsportart gegen Raleigh. Vermeintlich, weil die geschilderte Taktik reichlich simpel und die inszenierte Geschwindigkeit (wie bei Hollywood-Filmen leider keine Seltenheit) viel zu langsam ist. Da strickt der Alienator seine Söckchen wesentlich schneller …

Der Plan geht jedoch beim ersten Versuch schief: Zwei Jaeger werden von den Kaijus zerstört; Striker Eureka kann seine Bombe nicht zum Einsatz bringen. In einem völligen Fiasko endet die Mission nur deshalb nicht, weil Becket und Mako Mori im Gypsy Danger, der im Unterschied zu den anderen Jaegern „analog und thermonuklear“ ist, zur rechten Zeit eingreifen können. Schon wieder also das Abfeiern des Analogen. Und Gypsy Danger ist es natürlich auch, der am Schluss den Breach und damit die Aliens endgültig, radikal, ein für allemal plattmacht. Noch ein bisschen Helden-Gefeiere, dann nach über 2 Stunden der Abspann.

Fazit: Es gibt viel zu sehen (Action) und zu hören (ebenfalls Action). An der Ästhetik des Films gibt es nichts zu bekritteln, außer vielleicht, dass er einen Tick zu schrill und laut ist. Für zwei vergnügliche Stunden reicht das – für mehr aber auch nicht. Auf keinen Fall sollte man den Fehler des Alienators wiederholen und zu viel über diesen Film nachdenken …

After Earth

Es gibt zahllose Filme, die Söhne im Clinch mit ihren Vätern zeigen und es gibt mindestens genauso viele Filme, die zeigen, wie man zum Helden wird (indem man zum Beispiel seine Angst überwindet, was ja geradezu ein filmischer Standardtopos ist). In After Earth (USA 2013) verbindet der Regisseur M. Night Shyamalan das Heldentum mit einem Vater-Sohn-Konflikt.

General Cypher Raige ist ein Militär durch und durch, was schon sein Name ausdrückt: Der Vorname Cypher steht für Ziffer oder Chiffre, aber vor allem für Vorgänge, die sich zyklisch, das heißt geistlos wiederholen. Und der Nachname Raige wird ausgesprochen wie rage = Wut, wobei das i, das nicht gesprochen wird, vielleicht seine unterdrückte Wut symbolisiert, die in ihm ist. In Verbindung vielleicht mit seiner Schweigsamkeit, denn Worte sind nicht sein Ding, sondern – wie das einem Helden ja auch zukommt – Taten, die er vollbringt. Und so wird in dem Film sehr wenig gesprochen, was eher ungewöhnlich (aber durchaus wohltuend) ist für Filme aus Hollywood .

Vor etwa 1000 Jahren war die Erde so verseucht, dass der Menschheit keine andere Wahl mehr blieb, als den Planeten zu wechseln: Man besiedelt Nova Prime, der sich jedoch nicht als unbewohnt erweist. Die Aliens schicken die Ursas los, „Monster“, eigens dafür gezüchtet, Menschen über den Geruch ihres Angstschweißes aufzuspüren und zu töten. Die Gegenwaffe der Neusiedler sind die Rangers: Menschen, die keinerlei Angst verspüren, daher von den Ursas unangreifbar sind. General Raige ist einer dieser Ranger, naja: nicht irgendeiner, sondern natürlich der beste. Ein Superschlächter ohne jede Angstempfindung – also quasi per definitionem ein Superheld. Allerdings einer, der Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach dem Einsatz, mit dem der Film beginnt (die Beaufsichtigung eines Trainingslagers für Ranger), will er sich zur Ruhe setzen. Doch stürzt das Raumschiff, das ihn samt seinem Sohn ins Lager bringen soll, auf dem Weg dorthin ab. Es gibt nur drei Überlebende: Raige (schwer verletzt), sein Sohn Kitai und ein Ursa, der sich als Gefangener an Bord befunden hat. Der Planet, auf dem sie abstürzen, ist ausgerechnet die Erde, die die Menschheit vor 1000 Jahren verlassen musste: „Jede einzelne Entscheidung, die du triffst, bedeutet Leben oder Tod“, schärft Raige seinem Sohn nach der Havarie ein. „Das ist ein Kategorie-1 Quarantäre-Planet. Alles auf diesem Planeten ist dazu mutiert, Menschen zu töten.“

Die Belehrung ist nötig, weil Kitai das havarierte Schiff verlassen muss, um einen Notfallsender am Heck des Schiffs zu finden, 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt. Das Ding ist „silberfarben“ und sieht aus „wie ein Raumschiff“ (genau genommen wie die Enterprise). „Du musst“, so Raige, „diesen Notfallsender finden, sonst werden wir sterben.“

Junior macht sich also auf den Weg, ständig unter den Augen (durch Kameras) sowie unter medizinischer Überwachung (durch Sensoren) des Vaters, der wegen seiner Verletzung die Brücke am Bug des Schiffs nicht verlassen kann. Allein das ist für den Junior schon eine schwierige Situation. Noch schwieriger machen es seine Begegnungen mit der einheimischen, das heißt terrestrischen Fauna. Immer sind sie mit Angst verbunden. Er weiß nie, ob er nur eingeschüchtert werden soll oder gleich totgeschlagen und/oder gefressen wird. Senior ist im Hintergrund hilfreich, indem er dem Sprössling sein unbedingtes Credo einhämmert: „Angst ist nicht real … Gefahr ist sehr wohl real. Aber Angst ist eine Entscheidung.“ Mit diesem Spruch – Angst ist eine Entscheidung – wurde der Film auch beworben.

Auch wenn dieser Satz im Film nur einmal ausgesprochen wird, so gibt er ihm doch den ständig mithämmernden Rhythmus vor. Höhepunkt ist, wie der Ursa, der den Absturz natürlich überlebt hat, über Kitai hinweglatscht ohne ihn zu bemerken, weil Junior am Ende endlich den Status des gefühlskalten Helden erreicht hat. Als solcher schlachtet er den Ursa dann selbstverständlich ab. Was der Film quasi als seine Mensch- bzw. Mannwerdung feierlich inszeniert.

Fazit: Streckenweise überwältigende Bilder und Szenen, deutlich inspiriert von Avatar (wenn sie daran auch nie ganz heranreichen), vor dem Hintergrund einer (zumindest) dünnen Story mit einer Moral, die man fragwürdig finden mag.

After Earth ist ein Film, an dem sich offenbar die Geister scheiden: Zwar bemängeln die meisten Rezensenten seine zweifelhafte Heldenmoral, doch tun sie das dann meistens mit dem extrem enervierenden Hinweis, dies sei ideologische Propaganda für Scientology, nur weil der Hauptdarsteller (Will Smith) ein paar Mal dieser amerikanischen Religionsgemeinschaft (hierzulande meist Sekte genannt) größere Spenden hat zukommen lassen. Besonders penetrant wird das hier und hier betrieben (da spielt der Film selbst kaum noch eine Rolle). Auf der anderen Seite hat der Film aber auch Fans, die ihr Lob dann aber auch gleich wieder hymnisch übertreiben (wie etwa der hier).

White House under Attack

Das einzige Alien des Films White House Down (USA 2013) ist im Film nicht zu sehen: Roland Emmerich, der (deutsch-schwäbische) Regisseur. Es ist ja nicht unbekannt, dass Immigranten (legal aliens auf Englisch), gerade die, die in die USA eingewandert sind, die größten Arschkriecher sind, was das Fahnenküssen betrifft. Und natürlich hat auch Emmerich das Seine dazu beigetragen, um herzlichst in die Riege dieser Arschlöcher aufgenommen zu werden. Universal Soldier (1992) sei hier nur erwähnt, denn näher darauf einzugehen, könnte selbst mir – dem in filmischen Zynismen Abgehärteten – die Schädeldecke sprengen. Nur ein bisschen anders gelagert ist der Fall bei Independence Day (1996): Ein übler, ein ganz übler Film, ohne Frage, aber dennoch einer der letzten wirklich guten Alien-Invasionsfilme (und das war völlig Ernst gemeint). Danach ging’s hauptsächlich bergab in diesem Genre. Und wer hätte sich seinerzeit vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist?

Aber Emmerich konnte auch anders, was er in Godzilla (1998) unter Beweis stellte, als er seinen New Yorker Bürgermeister hitzig bemerken lässt, dass die „Militärheinis“ bei der Verteidigung New Yorks mehr Schaden angerichtet hätten als zuvor das Monster bei seinem Amoklauf. Und noch einmal in The Day after Tomorrow (2004), wo er US-amerikanische Bürger filmisch dazu zwang, nach Mexiko zu flüchten (und damit die Realität umkehrte). Er hatte und er gab sich danach nicht mehr viele Gelegenheiten, gegen den herrschenden (nicht nur) US-amerikanischen Mainstream anzugehen. Denn die Zeiten sind härter geworden. Der War on Terror umfasst mittlerweile alles und jeden. Bekanntlich ist niemand mehr davor gefeit, als Terrorist verdächtigt zu werden.

White House Down beginnt mit einem netten Touristenrundgang durch das Weiße Haus, aus dem aber sehr schnell ein Terroristen-Angriff wird. Während die amerikanischen Medien die Angreifer natürlich für „Araber“ halten, wissen wir als Zuschauer sehr schnell, dass diese Einschätzung ein bisschen zu vorschnell ist, denn die Emmerich’schen Terroristen sind Amerikaner (sowie Söldner in ihren Diensten) mit ultrarechten Ansichten, die alles Nichtamerikanische für amerikafeindliche Umtriebe halten. Emmerich nimmt also die (auch hier nicht nur) US-amerikanische, vornehmlich islamistisch vorgestellte Terroristenhysterie aufs Korn. Leider handelt Emmerich das nur en passant ab, erstickt die eh nur sehr leise Kritik in wüster Action, offenbar im zwanghaften Bemühen, das filmische Independence Day, wo ja das Weiße Haus ebenfalls zerstört wurde, oder das reale Nine Eleven zu übertreffen. Das durchgeknallte Drehbuch (James Vanderbilt) reiht einen Action-Turn an den nächsten, wobei sich die Leichen bedenklich schnell anhäufen, bis es am Ende zum drohenden Nuklearangriff der Terroristen kommt. Dass der letztlich verhindert wird, ist nicht weiter überraschend. Leider wohl auch nicht, dass beim Verlassen des Kinos vor allem die Erinnerung an einen im Handlungsablauf wenig glaubwürdigen Actionstreifen bleibt.

Fazit: Wüstes Geballere, dem der Mut fehlt beziehungsweise sehr schnell wieder abhanden kommt. Besser hätte es (vielleicht) werden können, wenn Roland Emmerich ein bisschen mehr seinen Alien-Status ins Spiel gebracht hätte.

Europa Report

Der Europa Report (USA 2013) berichtet von der Mission des Raumschiffs Europa One, das in näherer Zukunft mit einer 6-köpfigen Besatzung Richtung Jupitermond Europa aufbricht. Europa gilt (auch in unserer Gegenwart) als einer von zwei verbliebenen Himmelskörpern im Sonnensystem, auf denen so etwas wie primitives Leben entstanden und auch heute noch existieren könnte (der zweite, allerdings weniger vielversprechende Kandidat ist Titan, ein Mond des Saturn). Europa ist etwas kleiner als der Erdmond, hat aber eine etwas größere Masse als dieser. Die Oberfläche, auf der es kaum Erhöhungen gibt, ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, unter der ein riesiger Wasserozean vermutet wird. Und „überall“, so ein Wissenschaftler des Projekts, „wo wir bislang Wasser fanden, da fanden wir auch Leben“.

Nach dem Start von Europa One „verfolgte die Welt für mehr als sechs Monate jeden einzelnen Augenblick“ der Mission. Dann reißt, für 15 Stunden, der Kontakt ab. Der Film nutzt das sozusagen für eine (erste) Rückblende: Man sieht den Missionsverlauf vom Start der Rakete, die die Besatzung zum Raumschiff Europa One bringt, das offenbar im Erdorbit zusammengebaut wurde, bis zu dem Moment, wo die Kommunikation mit der Erde zusammengebrochen ist. Dabei verfolgt man das Geschehen sowohl im Raumschiff als auch das in Mission Control oder bei Pressekonferenzen auf der Erde.

Nach fast 20 Minuten Filmzeit kommt man wieder bei dem Moment an, wo der Kontakt zur Erde abriss. Es folgt zunächst eine erneute Rückblende, die uns die an der Mission beteiligten Astronauten etwas näher vorstellt. Die gezeigten Clips erinnern stark an entsprechende NASA-Texte und/oder -Filmchen. Das wirkt nicht sehr originell (und ist es auch nicht), aber die Schauspieler treffen exakt den Ton (auch ihre Sprecher in der deutschen Synchro), der sie nicht so klingen lässt, als würden sie Astronauten, Wissenschaftler oder Techniker im O-Ton nachahmen. Und Drehbuch (Philip Gelatt) und Regie (Sebastián Cordero) unterstützen sie da auch (noch). Auch das Pathos klingt da noch überzeugend: „Sollte da Leben existieren auf Europa“, so eine Astronautin, „dann wäre das mit Abstand die bedeutendste Entdeckung der Menschheitsgeschichte.“ Das erinnert ein wenig an Allie Arroway in Contact. Auch ansonsten klingt das glaubwürdig und sieht auch so aus, wie man sich eine bemannte Mission vorstellt und wie man ja auch schon viele gesehen hat: sowohl filmisch (von 2001 bis Marooned, von Apollo 13 bis Gravity) als auch realiter (etwa Apollo oder ISS).

Aber zunehmend sieht und hört man auch, dass man das alles schon tausendmal gesehen und gehört hat. Und vor allem: dass der Film nichts Neues oder Originelles oder auch nur irgendetwas Anderes hinzufügen kann. Es wird viel geredet von der Schönheit und Stille des Weltraums, vom Sinn des Lebens im Allgemeinen und vom erhabenen Forscherdrang des Menschen. Im Handlungsfaden darf natürlich auch der bei solchen Filmen schon fast obligatorische Todesfall bei einem Außenbordmanöver nicht fehlen. Alles das wird erzählt aus der Perspektive diverser Bordkameras, auch wenn dieses Footage-Prinzip nicht ganz so penetrant durchgezogen wird wie in Cloverfield oder Apollo 18, lässt es den Film doch immer mehr zerfasern. Noch schlimmer ist, dass die imgrunde sehr einfache Geschichte – Forscher brechen auf, um das erste Leben außerhalb der Erde zu finden – in immer neuen, teilweise ineinander verschachtelten Rückblenden ausgebreitet wird. Da entsteht schon der Eindruck, als habe Sebastián Cordero die Schlichtheit der Story mit komplizierter Schnittfolge aufgemotzt, damit’s am Ende nicht ganz so simpel daherkommt.

Unangenehm fällt auch die völlig abstrichlose Verherrlichung des menschlichen Forschergeistes auf, der immer wieder beschworen wird. „Verglichen mit dem Wissen, das es zu entdecken gilt“, fragt eine Astronautin rhetorisch, „was bedeutet da dein Leben?“ Ist das so? Zählt ein Menschenleben wirklich nichts mehr, wenn nur der erwartete Erkenntnisgewinn groß genug ist?

Fazit: Der Film hat durchaus seine großen Momente, etwa die ersten 20 Minuten oder die Totalaufnahmen des Jupitermondes Europa (zusammenmontiert aus realen Aufnahmen der NASA, die dem Regisseur das Filmmaterial zur Verfügung stellte), verfranzt sich aber am Ende in einer unnötig komplizierten Schnitttechnik, die nicht der Story dient, sondern eher ihrer Verschleierung.

Ergänzung: Vor einigen Wochen wurde in der wirklichen Welt von der europäischen Weltraumagentur ESA die Finanzierung von JUICE genehmigt. Der Start der (unbemannten) Mission ist für das Jahr 2022 geplant. Es sollen alle vier großen Jupitermonde, also auch Europa, näher untersucht werden.

In Deutschland wurde der Europa Report am 22. Oktober 2013 als DVD veröffentlicht (im Kino wurde er nicht gezeigt). Einen deutschen Trailer gibt es hier. – Erwähnt sei auch noch, dass bei praktisch allen Rezensenten der Film sehr viel besser wegkommt als hier, zum Beispiel bei dem hier oder auch dem hier.